10 Scully betrat taumelnd das Krankenhaus. Sie schaute die Frau hinter der Theke nur kurz an, die zustimmend nickte. Scully ging den Gang entlang zum Aufzug und stieg direkt ein. Sie drückte den Knopf zum zweiten Stock und müsste sich gegen die Aufzugswand lehnen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Die Fahrstuhltür öffnete sich und Mulder stand genau davor und empfing sie freudig. Doch seine Freude wich aus seinem Gesicht als er eine völlig bleiche Scully aus dem Aufzug kommen sah. “Ist alles in Ordnung, Scully?” fragte Mulder. Scully blieb vor Mulder stehen und hielt sich die Hand vor den Mund. “Mir ist furchtbar schlecht”, sagte sie leise. Mulder grinste. Er wusste, woher das kommen musste. “Haben Sie denn heute schon etwas gegessen?” fragte er. Scully schaute ihn entsetzt an. Ihr fiel auf, dass sie sich den ganzen Tag noch gar keine Gedanken ums Essen gemacht hatte. “Nein”, erwiderte Scully. “Da muss einem ja schlecht werden”, sagte Mulder. Er schaute auf die Uhr und blickte dann wieder zu Scully. “Dann wird’s ja höchste Zeit”, erklärte er. “Kommen Sie, Scully.” Er führt Scully nach rechts in Richtung der Zimmer, in denen die Kinder lagen. Genau gegenüber war ein kleiner Warteraum. Mulder schob Scully vor sich her und kaum hatte Scully das Zimmer betreten, stieg ihr auch schon der Pizzaduft in die Nase. “Genau das Richtige”, meinte Scully mit wenig Begeisterung und rümpfte die Nase. “Setzten Sie sich”, befahl Mulder und deutete auf einen der Stühle, die aufgestellt waren. Dann ging er zu einem der zwei Tische und holte einen Pizzakarton. “Ich war so frei”, meinte Mulder und gab Scully den Karton. Sie öffnete ihn und starrte einige Zeit lang skeptisch auf die Pizza. “Peperoni”, strahlte Mulder. Scully hob eine Augenbraue und schaute zu Mulder. Es war besser als gar nichts. Sie nahm sich ein Stück und biss hinein. Mulder verfolgte das alles, als hinge sein Leben davon ab. Scully schluckte, oder besser gesagt, würgte das erste Stückchen runter. Sie schaute Mulder entsetzt mit weit geöffneten Augen an. “Was zum Teufel ist da drauf?” röchelte Scully. “Extra Pfeffer”, entgegnete Mulder, der nicht verstand warum Scully ein solches Gesicht machte. Scully öffnete den Mund und schnappte nach Luft. “Wasser?” fragte Mulder offenbar belustigt über Scully. Scully legte den Karton weg und fuchtelte wie wild mit den Armen hin und her. Mulder sprang auf und lief zu einem Wasserspender, der in einer Ecke des Zimmers aufgestellt war und nahm einen Becher um ihn mit Wasser zu füllen. Dann ging er zu Scully, die ihm entgegen gesprungen kam und gab ihr den Becher. Sichtlich erleichtert ihr Feuer im Mund endlich löschen zu können, trank Scully den Becher aus. Mulder setzte sich auf einen der Stühle und musste belustigt vor sich her grinsen. “Ich finde das überhaupt nicht lustig”, sagte Scully. “Dafür haben Sie jetzt wieder Farbe ihm Gesicht”, antwortete Mulder immer noch lächelnd. Scully lachte nicht, sie schaute Mulder nur an und zerdrückte den Plastikbecher mit einer Hand. Mulders Lächeln verschwand. Scully drehte sich um und erblickte hinter sich einen Mülleimer. Sie warf zum Mülleimer und traf, dann ging sie wieder zu ihrem Stuhl und legte den Pizzakarton wieder auf ihren Schoss. Mulder schaute sie nur erstaunt an. “Sie essen noch weiter?” fragte Mulder. “Ja sicher. Ich bin ja jetzt vorbereitet”, erklärte Scully und nahm sich ihr altes Stück Pizza und biß hinein. Sie kaute und schaute Mulder herausfordernd an. Mulder zuckte nur mit den Schultern. “Was haben Sie so herausgefunden?” fragte Mulder, nachdem Scully ihr erstes Stück verzehrt hatte. “Nicht sehr viel”, erwiderte Scully und stand auf um zum Wasserspender zu gehen. “Das Opfer reiht sich nahtlos hinter den anderen fünf ein. Nur besonders appetitlich sieht die Leiche nicht aus. Das möchte ich, jedenfalls solange ich esse, auch nicht weiter durchdiskutieren. Auf alle Fälle scheint er auf dieselbe Weise ermordet worden zu sein.” Scully nahm sich einen Becher und füllte ihn mit Wasser. “Tja”, sie nahm einen Schluck des Wassers, “und dann das Mädchen”, sie überlegte kurz und nahm noch einen Schluck. “Emh, Lea.” “Ja, die kam ja ein paar Minuten vor Ihnen mit dem Krankenwagen hier an.” “Hat man schon etwas herausgefunden?” fragte Scully und ging mit gefüllten Becher wieder zu ihrem Platz. “Nun ja, nur soviel wie man bei den anderen herausfand.” “Und wo hat man sie untergebracht?” “Das ist so eine Sache. Es wird langsam eng hier, viel Platz haben die nicht mehr. Ich hab keine Ahnung.” Scully stellte den Becher auf den Tisch und nahm sich ein weiteres Stück Pizza und biss ab. Mulder beobachtete sie wieder. “Auch ein Stück?” fragte Scully schließlich, als sie sah, wie interessiert Mulder ihr zuschaute. “Nein nein”, Mulder setzte sich nun gerade auf seinen Stuhl. “Nein danke...” er fuchtelte abwehrend mit den Händen hin und her. “Ich hab schon gegessen. Danke.” Scully legte ihr Stück wieder hin und ergriff ihren Becher. “Ich komm mir vor als würde ich in der Hölle essen”, sagte Scully und trank. “Warum tun Sie’s dann?” frage Mulder. “Hab ich eine andere Wahl?” fragte Scully und stellte den Becher wieder hin. “Außerdem bin ich ein großes Mädchen”, meinte sie abschließend und biß wieder in das Stück Pizza. Mulder faltete die Hände in seinem Schoss und überlegte, was sie als nächstes tun könnten. “Hat das Mädchen irgend etwas zu Ihnen gesagt?” wollte Mulder nach einer Weile wissen. Scully schob sich das Stückchen, das sie noch in den Händen hielt in ihren Mund. Sie hatte nun genug von ihrer extra scharfen Pizza und klappte den Karton zu. Sie kaute zu Ende und ergriff wieder ihren Becher. “Ja. Ehrlich gesagt ergab das aber wenig Sinn”, antwortete sie und leerte ihren Becher. “Was denn?” “Emh”, sagte Scully und warf ihren Becher in den Mülleimer, ”haben Sie eine Serviette?” Mulder schaute sie verwundert an. “Eh, sie sagte ‘haben Sie eine Serviette’?” fragte Mulder, obwohl er wusste, was gemeint war. Scully schaute ihn nur an und wartete auf seine Antwort. Mulder deutete auf den Pizzakarton. “Da haben Sie Ihre Pizza draufgestellt.” Scully hob den Karton hoch und erblickte die erwünschten Servietten. Sie nahm sie und wischte sich Mund und Hände ab. “Nein, sie sagte, sie habe Angst”, erklärte Scully und wischte sich immer noch die Hände ab. “Angst vor ihrer Seele.” Mulders Gesichtsausdruck veränderte sich. In seinen steinharte Miene tauchte wieder Leben auf. “Komisch...” begann Mulder zögernd. “Was?” fragte Scully und warf auch die Servietten in den Mülleimer. “Als Sie fort waren, hab ich mich hier etwas über die Kinder erkundigt. ...” “Und?” fragte Scully, als Mulder nicht weiter sprach. “Weswegen die Kinder letztendlich im Koma liegen, weiß keiner so genau. Weder Unfall noch sonstige Einflüsse haben auf ihren Zustand hingewiesen. Sie fielen alle um, tja, und wachten eben nicht mehr auf.” “Und was ist jetzt so seltsam daran?” “Während ich hier so stand, kamen ein paar Eltern um ihre Kinder zu besuchen. Drei wollten zu ihren im Koma versunkenen Kindern”, Mulder erzählte nur zögernd. Er schien sich die ganze Zeit ganz schön den Kopf zu zerbrechen. “Natürlich habe ich mir diese Chance nicht entgehen lassen und habe mich mit den Eltern unterhalten. Ich habe sie gefragt, was passiert ist, bevor ihre Kinder bewusstlos wurden.” “Und was haben Sie herausgefunden?” fragte Scully und lehnte sich zurück. “Nun ja. Soviel die Eltern wissen, waren ihre Kinder zuvor bei einem Freund spielen gewesen. Trinity, oder so ähnlich.” Scully runzelte die Stirn. “Na ja, jedenfalls kamen sie alle ziemlich verändert wieder nach Hause.” “Was heißt ‘verändert’, Mulder? Ich meine es gibt viele Arten sich zu verändern”, hakte Scully nach. “Ihre Verhaltensweise. Sie hätten auf einmal alle so ein geschwollenes Zeugs von sich gegeben.” “Und was hat das mit Lea zu tun?” “Sie sagten doch, dass der letzte Satz gewesen wäre, sie habe Angst vor ihrer Seele, nicht wahr?” Scully überlegte kurz. “Ja. Na und. Ich meine, ich fand das auch schon etwas erstaunlich, aber...” “Die letzten Sätze, die die Kinder sprachen, hatten alle etwas mit Seele zu tun.” “Ach, und das ist auf einmal so phantastisch?” fragte Scully. “Nun ja, wenn man bedenkt, dass alle Kinder zwischen drei und sieben sind, und manche gerade erst mal lernen ihren Namen zu schreiben, finde ich das schon bemerkenswert.” “Weswegen denn, Mulder? Ich meine, dann haben eben alle Kinder zufällig das Wort Seele bei ihrem Freund aufgeschnappt. Trinity, oder wie er hieß”, sprach Scully dagegen. Mulder verdrehte die Augen. “Ich verstehe jetzt jedenfalls nicht, wie uns das weiterhelfen soll”, erklärte die Agentin und stand auf, um zur Tür des Warteraums zu gehen. “Wo wollen Sie denn hin?” fragte Mulder und erhob sich ebenfalls. “Zur Toilette, ich möchte mir die Hände waschen”, antwortete Scully und verließ den Raum. Mulder ließ sich wieder auf seinen Stuhl zurücksinken. 11 Als Scully das Zimmer wieder betrat, saß Mulder da und malte lustlos mit einem Kuli auf ihrem Pizzakarton rum. Scully ging auf Mulder zu und stellte sich erwartend vor ihn. “So. Und was wollen Sie jetzt tun?” fragte sie schließlich. Mulder reagierte nicht. Er kritzelte immer noch weiter. “Mulder.” Mulder schaute nun zu Scully auf. Sie hatte die Arme vor der Brust verschränkt und wartete sichtlich angespannt auf eine Antwort. “Ich würde sagen, wir fahren wieder zurück nach Curly Gad.” Scully hob die Augenbrauen. “Moment mal. Sie wollen jetzt auf einmal wieder fahren?” fragte sie ungläubig und setzte sich vor Mulder auf den Tisch. “Ja. Was sollen wir noch länger hier. Es gibt nichts mehr, was wir hier machen könnten.” Scully schaute zur Seite auf die Wand, an der ein paar Bilder hingen. Wollte sie Mulder auf den Arm nehmen? War er es nicht gewesen, der hier nicht weg wollte? Eine ganze Zeit lang sagte keiner mehr etwas. Mulder nutzte die Gelegenheit, um weiter auf dem Karton Männchen zu malen. “Was war eigentlich mit der Frau?” fragte Scully, immer noch den Blick auf die Wand gerichtet “Was für eine Frau?” wollte Mulder wissen, schaute allerdings nicht auf. “Na die Frau im Zimmer. Hören Sie auf, Mulder. Sie wissen, wen ich meine.” “Ach, die Frau bei den Kindern. Ja die, die hab ich auch befragt. Sie wohnt übrigens nur ein paar Häuser entfernt von Claire.” Scully verzog die Mundwinkel. Musste man diesem Mann jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen? “Und was hat sie gesagt.” “Nur das, was Sie für unwichtig halten.” “Ich habe nie gesagt, dass es unwichtig sei”, fauchte Scully Mulder an. “Aber dass es wichtig sei, haben Sie auch nie behauptet.” “Na und?” “Jedenfalls”, sagte Mulder und steckte seinen Kuli in die Innentasche seines Mantels, "sie erzählte auch nur, ihr Sohn wäre bei diesem Freund gewesen, wäre dann zu Hause erschienen, hätte etwas von Seelen gefaselt und wäre dann bewusstlos geworden.” “OK, Mulder.” Scully wandte sich nun wieder zu ihm. “Lassen wir mal die Seelen bei Seite. Was ist mit diesem mysteriösem Freund, bei dem alle Kinder waren?” “War Lea auch bei ihm?” fiel Mulder Scully ins Wort. “Woher soll ich denn das wissen?” Mulder zuckte nur kurz mit den Schultern. “Vielleicht haben Sie Recht, Scully. Wir sollten uns mal nach, nach emh...” Mulder schnipste mit den Fingern. Der Name lag ihm auf der Zunge. “Trinity?” fragte Scully vorsichtig. “Ja!” schrie Mulder auf. “Ich werde mich mal informieren”, erklärte Mulder, als er sein Handy aus der Tasche holte. Während Mulder wählte, stand Scully auf und ging im Zimmer auf und ab. Plötzlich drehte sie sich um, um Mulder eine Frage zu stellen, doch da meldete er sich auch. Damit hatte sich wohl erledigt, ob Mulder wusste, wo er sich jetzt informieren sollte. Scully hörte Mulders Gespräch nicht zu. Sie versank weiter in ihren Gedanken. Sie konnte sich einfach nicht erklären, was hier vor sich ging. Natürlich konnte sie einen gewissen Zusammenhang zwischen den Kindern nicht abstreiten. Dafür waren die Vorfälle viel zu offensichtlich. Mulder beendete sein Telefonat und schaltete sein Handy aus, um es dann in die Manteltasche zu stecken. “Scully?” sprach Mulder seine Partnerin, die mit dem Rücken zu ihm gedreht ein paar Schritte vor ihm stand, an. Sie drehte sich erwartungsvoll an. “Raten Sie mal, wer Trinity ist”, forderte Mulder sie heraus und lächelte sie an. “Wer?” fragte Scully und zuckte mit den Schultern. “Unser Flüchtling.” Scully runzelte die Stirn. “Flüchtling?” hakte Scully noch einmal unsicher nach. “Ja. Der Mann, der mit Jason die Straße entlang gegangen ist. Der, dem Sie nachlaufen wollten, weil er Ihnen von Anfang an so komisch vorkam”, erklärte Mulder. “Also ist er doch nicht so sauber, wie Sie dachten?” fragte Scully. Mulder atmete tief ein. “Wer weiß? Vielleicht ist es doch nur ein dummer Zufall”, sagte Mulder, der sich nicht vorstellen konnte, dass dieser Mann etwas mit der Sache zu tun haben könnte. “Oder auch nicht”, fügte Scully hinzu und ging in Richtung Türe. Es war jetzt ja wohl offensichtlich, dass dieser ominöse Mann irgendwie an diesen Vorfällen beteiligt war. “Kommen Sie Mulder.” “Wo wollen Sie jetzt hin, Scully?” fragte Mulder. “Nach Curly Gad.” “Warum?” “Warum wohl?” fragte Scully genervt. Mulder schaute auf die Uhr. “Denken Sie nicht, dass es ein wenig zu spät ist, bei Trinity an die Tür zu klopfen?” fragte Mulder und erhob sich nun auch von seinem Stuhl. “Wir können genauso gut auch morgen da vorbeischauen.” Scully schaute auf ihre Uhr. Sie runzelte die Stirn. Es war schon so spät? Wo war nur die Zeit geblieben? “Ich fahre aber trotzdem, nach Curly Gad. Ich bin müde und möchte gerne ins Bett, OK?” erklärte Scully und verließ das Zimmer gefolgt von Mulder. 12 Gähnend kam Scully die Treppe hinuntergelaufen. Vor ihr auf dem Flur saß Jason und spielte mit zwei Autos, die er laufend miteinander zusammenstoßen ließ. Er ignorierte die Agentin, als sie sich zu ihm auf den Boden setzte. Jason rammte die beiden roten Auto weiter gegeneinander. “Guten Morgen Jason”, begrüßte Scully ihn. Bisher hatte sie ja noch keine Gelegenheit gehabt, mit Jason zu sprechen, doch der Fünfjährige ignorierte sie und fuhr einfach mit seinem seltsames Spiel fort. “Scully?” fragte Mulder hinter ihr. Scully drehte sich um und sah Mulder, wie er zusammen mit Darlene einen Kürbis aushöhlte. “Was machen Sie da Mulder?” wandte sich Scully an Mulder, obwohl sie eigentlich genau sah, was er da tat. Sie lächelte und ging in die Küche zu Mulder und Darlene. “Morgen”, begrüßte sie Darlene, die offensichtlich glücklich war, dass Mulder mit ihr diese Sauerei anstellte. “Mulder, wir haben Sonntag. Halloween ist erst in einer Woche”, klärte Scully Mulder auf. “Ja und, das macht doch nichts. Ich bin eben schon in vorhalloweenischer Stimmung.” “Ach so”, registrierte Scully. “Wenn Sie Kaffe möchten, der steht da.” Mulder deutete auf die Kaffeemaschine und die Tasse direkt daneben. “Danke”, antwortete Scully und ging auf die Kaffeemaschine zu. “Was spielt eigentlich Jason für ein komisches Spiel?” “Ach”, antwortete Darlene, ohne sich von ihrem Kürbis abzuwenden, “das spielt der Spinner schon die ganze Zeit. Bumm, bumm, bumm. Was anderes hat der gar nicht mehr in der Birne. Idiot.” Scully verzog das Gesicht, nachdem sie den ersten Schluck des Kaffees genommen. Sie schaute Mulder angeekelt an, als sich Darlene auch schon umdrehte. “Schmeckt der Kaffee?” fragte sie erwartungsvoll. Scully schaute zu Mulder der auf Darlene deutete. Scully verstand und nickte. “Ja”, brachte sie nur leise heraus, “ganz wunderbar.” “Hab ich gemacht”, berichtete Darlene ganz stolz und wandte sich wieder ihrem Kürbis zu. Scully verzog die Mundwinkel und kippte den Kaffe ganz unauffällig in den Ausguß. “Wollten wir nicht zu Trinity?” fragte Scully und stellte ihre Tasse hin. “Zu Ray?” fragte Darlene. Scheinbar kannte sie ihn. Auch Jason hatte nun aufgehört zu spielen. Er hörte dem Gespräch nun aufmerksam zu. “Der ist nett”, fuhr Darlene fort und schnitzte den Mund in ihren ausgehöhlten Kürbis. “Bin schon ein paar mal da gewesen. Jason auch. Der hat immer so lustige Spiele.” “Was spielt ihr denn so?” fragte Mulder nach einer Weile. “Ach, ganz verschieden. Bei dem wird’s dir nie langweilig. Aber er redet so komisch.” “Wie denn?” fragte Mulder weiter. “Er zieht die Wörter immer so lang.” Darlene erzählte das alles ganz heiter und dennoch stellte Scully eine Frage, die überhaupt nicht in das erzählte Schema paßte. “Hat er euch schon mal weh getan?” “Wer? Trinity?” fragte Darlene und schaute Scully mit ihrem großen blauen Augen an. Scully nickte. Darlene zögerte, wandte sich dann wieder ihrem Kürbis zu, um ihm das linke Auge rein zu schnitzen. “Nö”, sagte sie nach einer Weile. “Und anderen Kindern?” “Nein. Weshalb? Hat er was angestellt? Hat er was kaputt gemacht?” fragte Darlene, mit typischer kindlicher Naivität. Scully musste schmunzeln, obwohl das kaum ein Thema war, über das man lachen konnte. “Was ist nun Mulder? Gehen wir?” drängte Scully nach einer Zeit und ging in Richtung Garderobe. Mulder stand auf und legte das Messer neben seinen Kürbis. “Wenn ich wiederkomme, machen wir weiter, OK?” versicherte Mulder Darlene. Darlene nickte. “Du auch?” wollte Darlene wissen und schaute Scully an. Scully drehte sich um, lächelte ihr zu und nickte. Offensichtlich erfreut über Scullys Antwort, schnitzte sie weiter am Kürbis rum. “Sag Claire, dass wir bald wieder zurück sind”, trug Mulder dem Kind auf, ging zu Scully und zog sich wie sie den Mantel an. “Wo ist sie überhaupt?” fragte Scully, die Claire diesen Morgen noch nicht gesehen hatte. “Wäsche waschen. Im Keller”, erwiderte Mulder und öffnete die Tür. “Ah”, sagte Scully nur und ging an Jason vorbei, die Tür hinaus. “Tschüß Jason”, rief Scully und auch Mulder verabschiedete sich so von Jason, bevor er die Tür hinter sich schloss. Scully schaute zu dem Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite, in dem das letzte Opfer ermordet worden war. Nichts außer dem zerschlagenen Kürbis auf der Veranda wies noch auf die grausame Tat hin. “Steigen Sie ein”, sagte Mulder, der sah wie Scully in Gedanken versunken vor dem Wagen stand. “Ich muss noch die Leiche obduzieren”, erklärte Scully, während sie sich anschnallte. “Wann mache ich das denn?” “Nachdem wir bei Trinity waren.” “Und was ist mit den restlichen Eltern? Die müssten wir doch auch mal befragen. Vielleicht wissen die etwas.” “Nach Trinity”, wiederholte Mulder nur und fuhr los. “Was wir uns jetzt genau davon erwarten, wissen Sie aber auch nicht?” fragte Scully nach einer Weile. “Wir werden sehen. Vielleicht klärt sich alles ganz einfach auf.” “Das aus ihrem Munde?” neckte Scully Mulder, der nun genau vor dem hölzernen Haus parke und sich abschnallte. Beide Agenten stiegen aus und gingen auf die Eingangstür zu. Die schwarzen Vorhänge vor den Fenstern waren zugezogen. Mulder suchte vergeblich nach einer Klingel, doch er konnte keine finden. So klopfte er mit den Handrücken an die Tür. Die Tür öffnete sich und hinter ihr erschien ein ziemlich großer drahtiger Mann. Der Mann räusperte sich und wie auf Kommando zogen Scully und Mulder ihr Ausweise aus den Manteltasche. “Guten Tag Mr. Trinity. Wir sind vom FBI. Ich bin Agent Mulder und das ist Agent Scully”, erläuterte Mulder und ließ wie Scully seinen Ausweis in der Manteltasche verschwinden. “Dürften wir Ihnen ein paar Fragen stellen?” Der Mann bat sie mit einer Geste hinein. Scully trat - dicht gefolgt von Mulder - in das verdunkelte Zimmer. Nur ein paar Kerzen erhellten den Raum leicht, aber zu wenig, um irgend etwas erkennen zu können. Trinity schloss hinter ihnen die Türe, wodurch es noch dunkler wurde. “Emh. Könnte man vielleicht die Vorhänge aufziehen?” fragte Mulder. Der Mann tat, was Mulder sagte und schob den ersten Vorhang zur Seite, so dass Scully und Mulder schon mal erkannten, dass sie in einer Art Wohnzimmer standen. Trinity zog nun auch die restlichen schwarzen Vorhänge weg, und fröhliche Sonnenstrahlen erhellten das Zimmer nun vollkommen. Erst jetzt konnte man sehen, dass es sich bei diesem Wohnzimmer um einen riesigen Raum handelte, der offenbar das ganze Untergeschoss auszufüllen schien. Das riesige Zimmer übertraf Scullys und Mulders Vorstellungskraft. Es war keinesfalls unordentlich, aber überall standen so viele Sachen, was den Eindruck vermittelte, dass das reinste Chaos herrschen würde. Rechts der Eingangstür führte eine Holztreppe nach oben. Dort mussten sich wohl die restlichen Räume befinden. Denn alles was sich hier unten befand, waren ein paar Möbel wie Schrank, Kommode, ein Sessel, Couch und ein paar Stühle, Kamin und der Krimskrams aus aller Welt. Mindestens drei Weltkugeln sowie zahlreiche ausgestopfte Tiere wie Füchse, Kaninchen oder Eulen, die die beiden Agenten mit ihren leblosen Augen anstarrten, waren überall im Zimmer verteilt. Es schien Scully, als müssten in den riesigen Regalen gegenüber von ihnen Tausende von Büchern stehen. Trinity deutete nun auf seine etwas altmodische Couch hin. Scully und Mulder gingen auf die mit rotem Plüsch bezogene Couch zu und nahmen Platz. “Besonders viel hat der uns ja nicht zu sagen”, murmelte Mulder Scully zu. Seine Partnerin schaute sich immer noch staunend um. Wenn sie die ganzen Dinge, die sie sah, hätte aufzählen müssen, sie wäre bis zu ihrem fünfzigsten Geburtstag beschäftigt gewesen. Sie wurde durch das Hampeln Trinitys aufgeschreckt. Der braunhaarige, wirklich spindeldürre Mann stand mit dem Rücken zu den beiden Agenten gewandt ein paar Schritte vor ihnen und schlug sich mit dem Handgelenk auf den Kopf. Scully und Mulder schauten sich erstaunt an. Beide runzelten die Stirn. “No, no , nooo!” schrie Trinity sich selbst an und stoppte nicht auf sich selbst einzuschlagen. Er sprach wirklich seltsam. Er ging mit seiner Stimme erst tief runter und dann hoch während er weiter schrie. Er hörte sich an wie ein Leierkasten. “I, don’t, want thaaat.” Er zog das letzte Wort auf wie eine Spieluhr und lang wie einen Kaugummi. Dabei ließ er seine Stimme - fixiert auf das letzte Wort - erst tief und dann hoch werden. Er drehte sich plötzlich um und hörte auf sich zu schlagen. Dann richtete seinen durchdringenden Blick auf Mulder. “Are we, being improved ... by artificial creatuuures?” fragte er und starrte Scully mit seinen unklaren braunen Augen an. “Oooh, give me some of that brain juuuice.” Noch immer zog er die letzten Wörter wie Gummibänder. “I want to be just like them, just like them, just like them...” Er wandte sich wieder von den beiden Agenten ab und schlug sich erneut mit dem Handgelenk an den Kopf. Scully schluckte. Mulder wandte seinen Kopf an Scullys Ohr. “Sprung in der Platte”, flüsterte er und setzte sich wieder gerade. Scully fand das nicht so lustig. Trinity hatte nun wieder aufgehört gegen seinen Schädel zu hämmern. Er schüttelte zuerst seine Arme, dann noch mal seinen Kopf. Schließlich drehte er sich um und schaute Scully und Mulder lächelnd an. “Was wollen Sie denn gerne wissen?” sagte er in überdrehter Tonart. Er wippte mit dem Kopf hin und her. “Oder wollen Sie nur einen Tee trinken?” fuhr er in der selben Tonart fort. “Emh... Mr. Trinity, vielleicht setzten Sie sich lieber erst einmal”, schlug Mulder vor und deutete auf den Sessel hinter dem Mann. Trinity achtete gar nicht auf Mulder, er war vielmehr auf Scully fixiert. Er ging auf sie zu und streckte ihr die Hand entgegen. “Ich bin Ray”, verkündete er stolz, “Raaay Trinity.” Im nächsten Moment zog er die Hand wieder zurück und setzte sich- wie Mulder es vorgeschlagen hatte - auf den Sessel. Doch nur um in nächsten Moment wieder aufzuspringen und überdreht weiterzuplappern. “Ich denke es ist sooo, dass ...” er kratzte sich am Kinn und ging im Zimmer auf und ab, “dass ich, ich, ich nichts dafüüür kann. Es übermannt mich.” Er blieb vor einem seiner Fenster stehen und schaute hinaus. Er ignorierte völlig, dass Scully und Mulder dasaßen und ihm aufmerksam zuhörten. “Also, ich würde meine Kinder nicht hierher lassen”, flüsterte Scully Mulder zu, der daraufhin zustimmend nickte. Die Agenten wurden plötzlich aufgeschreckt, als sich Trinity auf einmal blitzschnell umdrehte und beide mit weit geöffneten Augen anschaute. “Wissen Sie, Ebony war es. Ebooony. Verstehen Sie?” Er kam auf Scully zugesprungen und blieb vor wenige Zentimeter vor ihr stehen. “Wiiieso? Wieso, wieso, wieso?” fragte sich Trinity, in gleicher gewohnten Verrücktheit, selbst und kratzte sich wieder kurz am Kinn. “Die Seelen. Wegen der Seelen”, erklärte er überzeugt und ließ seinen Blick nicht von Scully. Scully bekam Gänsehaut. Sie war froh, dass Mulder neben ihr saß. Sie wusste nicht, dass Mulder dasselbe von ihr dachte. Es war ihnen beiden ein wenig unheimlich. Trinity drehte sich wieder um und ging einen Schritt nach vorne, um sich kurz danach wieder zu Scully und Mulder zu wenden. Diesmal musterte er Mulder genau. “Lalalalalala, lala”, fing er plötzlich in der Melodie von ‘Ein Männlein stand im Walde’ zu singen. “Mit purpurroooten Mäntelein”, sang er weiter drehte sich wieder um und schlug sich einmal kurz auf den Kopf und drehte sich erneut um, diesmal mit dem Blick auf den Boden gerichtetet. “Die Seelen kommen, und die Seelen gehen”, er schaute wieder zu Scully und Mulder auf, “nur wohiiin?” schrie er fast hysterisch. “Das, das ... das ist die Fraaage.” Plötzlich blieb er wie versteinert stehen. Und stellte sich wie ein Armeesoldat ganz steif hin. “Ich sammle Seelen”, gestand er mit verrückter Stimme. Er entspannte sich wieder, ging erneut zu seinem Fenster und schaute hinaus. “Kein Wunder, dass die Kinder völlig verstört nach Hause kommen und über Seelen reden”, flüsterte Scully Mulder zu. “Was sagen Sie dazu, Scully?” fragte Mulder mit gesenkter Stimme. “Was soll ich dazu sagen?” entgegnete Scully leise und schaute wieder zu Trinity. Dieser drehte sich in bekannter Weise wieder blitzschnell um und schaute Scully und Mulder mit seinen verrückten Augen an. “Ich sammle Seelen”, bekannte er sich erneut, “sie sind meine Koloniiie” Er ging einen Schritt auf beide Agenten zu. “Sie können töten.” Er setzte einen weiteren Schritt nach vorne. “Töteeen.” Ein weiterer Schritt folgte, und er war nur noch einen Schritt von Scully und Mulder entfernt. “Sie haben mich reingeleeegt. Ich bin nur das Opfer. Doch das werde ich wieder ändeeern!” schrie er. “Habt ihr gehört? Ändeeern.” Er holte tief Luft und hielt sie für ein paar Sekunden an. “Sofooort”, schrie er dann mit der restlichen Luft, die er noch hatte. Dann wandte er sich erneut von Scully und Mulder ab und schlug sich abermals mit der Hand auf den Kopf, doch diesmal mit beiden Händen. Nach einer Weile hörte er auf und wandte sich den Agenten zu. “Wer ist dieser Raaay?” fragte er dann und schaute Scully und Mulder fragend an. “Ist er wirklich das... Opfer?” fragte er dann etwas ruhiger, aber immer noch mit der gleichen Verrücktheit zuvor. “Ist es wirklich wahr, was er saaagt?” Er setzte sich dann wieder auf den Sessel und schlug die Beine über Kreuz und faltete die Hände. “Ist Ebony, noch am Leben?” fragte er fast mit normaler Stimme. “Hat seine Schwester wirklich manipuliert an menschlichen Seelen?” Er schlug die Beine auseinander und setzte sich aufrecht. “Ist Ray behindert? ... Er zerstörte Quality. ... Er sagt ... er war’s nicht.” Er nahm nun auch die Hände wieder auseinander. “Aber nur weil er spiiint!” schrie er hysterisch auf. Er stand vom Sessel auf und ging vor Scully und Mulder auf und ab. “Nein, nein, nein, sagt er. ... Schuld ist Ebony!” Er wandte sich zu Scully. “Na klar, Ray. ... Nur weiter so.” Dann schaute er zu Mulder, er schlug sich noch einmal kurz und verzog sein Gesicht. “Wir die Seelen”, sprach er mit gesenkter Stimme, “verkünden stolz, ... wir sind Rayisten. ... Heil Ray!” Er musterte nun wieder Scully, die den Mund nicht mehr zu bekam. “Fuck Ebony!” Er schaute nun zu Mulder, der auch kein besseres Gesicht machte als Scully. “Fuck Quality!” Dann blickte er zur Decke und breitete die Arme aus. “Das wird das Jahr der Seeleeen!!!” kreischte er und wandte sich zu seinem Fenster. Scully und Mulder beobachteten mit geschocktem Gesichtsausdruck, wie Trinity seelenruhig aus dem Fenster schaute. Beide warteten, dass der ältere Mann sich wieder umdrehte, doch er regte sich nicht. “Was wollen Sie jetzt tun?” fragte Scully Mulder nach einer Weile. Mulder atmete die Luft scharf durch die Zähne ein. “Schwer zu sagen”, meinte er leise. Trinity nickte plötzlich - ohne ersichtlichen Grund - mit dem Kopf und ging ohne Umwege auf seine Haustür zu, öffnete sie und wies mit der Hand hinaus. Scully und Mulder verstanden. Sie wurden gerade rausgeschmissen. Sie standen beide auf und gingen en in Richtung Tür. Scully ging - ohne Trinity noch einmal anzuschauen hinaus -, während Mulder noch mal vor Trinity stehenblieb. Dieser wandte seinen Blick wie ein kleines Kind, das sich schämte, nach unten. Dann verließ auch Mulder das Haus und folgte Scully zum Wagen. Unmittelbar danach schloss Trinity hinter ihnen die Tür. Scully hörte dies und drehte sich um; sie sah, wie Trinity die schwarzen Vorhänge zuzog. “Was soll uns das jetzt sagen?” fragte Mulder mehr sich selbst als seine Partnerin und schloss den Wagen auf. “Ich weiß nicht, Mulder”, gab Scully zu, ohne ihren Blick von Trinitys Haus zu wenden, “aber dieser Mann braucht Hilfe.” “Na ja. Wenigstens wurden uns mehr Fragen gestellt als beantwortet”, sagte Mulder enttäuscht und stieg ein. Scully tat es Mulder gleich. Dann fuhren sie wieder zurück, die Straße entlang. 13 Erschöpft, durch das anstrengende Gespräch mit Trinity, klingelte Mulder wieder mal an dem Haus der Newtons. Claire öffnete ihnen. “Ich glaub wir kriegen bald unseren eigenen Schlüssel”, sagte Mulder und trat wie Scully ein. Sie legten beide ihre Mäntel ab und folgten dann Claire in die Küche. “Wo ist Darlene?” fragte Mulder und schaute auf den Küchentisch. Er war komplett leer geräumt. Keine Spur von Kürbisresten, geschweige denn der Kürbis selbst. “Die ist oben in ihrem Zimmer. Sie hatte keine Lust mehr, ohne dich weiterzumachen”, erklärte Claire und öffnete die Kühlschranktür. “Möchte jemand etwas trinken?” Mulder schüttelte den Kopf. “Nein, danke”, erwiderte Scully und setzte sich auf einen der Küchenstühle. “Und wo ist Jason?” wollte Mulder wissen und nahm ebenfalls Platz. “Der ist auch oben”, antwortete Claire und schüttete etwas Orangensaft in ein Glas, stellte die Flache wieder in den Kühlschrank und schloss die Kühlschranktür. “Und gibt’s was Neues?” fragte sie, nachdem sie den ersten Schluck genommen hatte. Weder Scully noch Mulder antworteten. Doch dann ergriff Mulder nach ein paar Minuten das Wort. “Kennst du einen Ebony?” “Ebony?” fragte Claire und trank wieder. Mulder nickte. “Nein”, entgegnete Claire, nachdem sie ihr Glas geleert hatte. “Oder einen gewissen Quality?” fragte Mulder weiter. Claire wurde plötzlich ganz blass um die Nase. “Ist alles in Ordnung?” fragte Scully, die sah, wie sich Claire verhielt. “Quality?” Ihre Stimme war sehr leise. “Ja. Quality”, meinte Mulder und setzte sich aufrecht hin. Claire stellte ihr Glas in die Spüle und ging auf einen der Stühle zu, um sich zu setzten. “Wieso?” fragte sie nach einer Zeit, stützte die Ellbogen auf und faltete die Hände vorm Mund. “Der Name wurde uns genannt”, antwortete Mulder. “Von wem?” wollte Claire weiter wissen. Sie starrte geistesabwesend vor sich her. Mulder schaute Scully forschend an. Er musste abwägen, ob er es Claire sagen konnte oder nicht. “Von einem gewissen Ray Trinity”, sagte Mulder schließlich. Das schien Claires Aufmerksamkeit zu wecken. Sie schaute Mulder interessiert, aber auch entsetzt an. “Aber, aber das ist unmöglich”, stotterte sie. “Was?” fragte Mulder. “Mein Mann”, sie senkte ihren Blick, “hat, er hat ... für eine Zeitung gearbeitet.” “Und die hieß Quality”, fuhr Mulder fort, als wäre er sich sicher. “Nein”, meinte Claire, “seinen letzten Artikel hatte er, soviel ich weiß, unter dem Dateinamen ‘Quality’ abgespeichert.” Sie atmete tief ein. “Aber woher sollte... Sam hat nie über seine Artikel gesprochen. Sie waren immer sehr geheim und niemand außer ihm und mir kannte seine Dateinamen und Codes, da er auch sehr oft im Internet war”, erklärte Claire weiter, “damit ihm keiner in seine Arbeit pfuschen konnte.” “Kannst du uns diese Datei einmal zeigen?” fragte Mulder. “Ja”, erwiderte Claire zögernd und stand von ihrem Stuhl auf, um - gefolgt von Scully und Mulder - die Treppe nach oben zu gehen. Claire öffnete vorsichtig die Tür zu dem Arbeitszimmer ihres Mannes. Das letzte Mal bot sich ihr der schrecklichste Anblick ihres Lebens in diesem Raum. Auch jetzt, erinnerte sie die Einrichtung des Zimmers nur daran, was hier geschehen war. Sie hatte schließlich hier ihren Mann ermordet wiedergefunden. Claire schloss die Augen atmete tief ein, musste sich aber dennoch umdrehen. “Wenn du nicht willst ...” meinte Mulder, doch Claire winkte ab, atmete noch einmal tief durch und betrat dann doch den Raum. Sie ging auf den Computer zu und schaltete ihn ein. “Ich verstehe nicht viel von Computern”, erklärte Claire, “könnten Sie ...?” fragte sie und schaute zu Scully. Diese ergriff die Maus und wartete bis der Computer bereit war. Sie tippte ein paar Zeichen ein und wandte sich zu Claire. “Quality?” wollte sich Scully versichern und Claire nickte. Also gab Scully das Wort ‘Quality’ ein und drückte auf ‘Enter’. Gespannt warteten alle drei, was nun passierte. Doch nichts geschah. Scully tippte ein paar mal auf ein paar Tasten der Tastatur, doch nichts tat sich. Mulder und Claire schauten sich ratlos an. Doch dann regte sich doch etwas auf den Bildschirm. “Not found”, las Scully aus dem blauen Kästchen, das aufleuchtete, ab. “Erased 21.10.” Scully drehte sich um und schaute Mulder mit fragendem Gesichtsausdruck an. Plötzlich schlug Claire die Hände vor den Mund und lief aus dem Zimmer. “Das ist der Todestag ihres Mannes”, berichtete Mulder. Scully schluckte. Eine ganze Weile rührten sich weder Scully noch Mulder. Sie saßen einfach nur da und starrten vor sich hin. “Wollen Sie nicht lieber mal nach Claire sehen?” fragte Scully und starrte immer noch vor sich hin. “Nein. Sie braucht jetzt ihre Ruhe”, meinte Mulder und ging in Richtung Zimmertür. “Was wollen Sie denn jetzt machen?” wollte Scully wissen und schaute Mulder hinterher. “Mich nach Ebony erkundigen”, antwortete Mulder, ohne sich noch mal umzudrehen. Scully schaltete den Computer aus und folgte ihrem Partner aus dem Zimmer. 14 Lustlos rührte Scully in ihrem Kaffee. Auch die Sandwiches neben ihr auf dem Teller hatte sie noch nicht angerührt. Sie hörte Mulder mehr oder weniger zu, wie er im Wohnzimmer angeregt telefonierte und pustete in ihre Tasse. Obwohl sie den ganzen heutigen Tag noch nichts gegessen hatte, verspürte sie keinen Appetit. Noch nicht einmal durch die Brote, die sie gezwungenermaßen dauernd anschauen musste, wurde sie hungrig. Scully stützte nun ihre Ellbogen auf und führte die Tasse zum Mund. Mulder hatte sein Telefonat nun beendet und kam nun zu Scully in die Küche. Er legte das Telefon auf den Tisch und setzte sich zu Scully. “Was ist los?” fragte diese und trank einen Schluck. Sie verzog das Gesicht, noch bevor sie hinuntergeschluckt hatte. Mulder schaute nur fragend. “Also, irgendwie hab ich heute kein Glück im Bezug auf Getränke”, erklärte Scully, nachdem sie geschluckt hatte, und stellte die Tasse ab. Mulders Blick fiel auf Scully Sandwiches, die sie nicht angerührt hatte. “Sie essen in letzter Zeit aber ziemlich wenig, Scully”, bemerkte Mulder und deutete auf den Teller. Scully winkte mit der rechten Hand ab. Sie wollte jetzt nicht mit ihm über ihrer Essensgewohnheiten diskutieren. “Was haben Sie herausgefunden?” lenkte Scully ab. “Ach”, begann Mulder, “nicht viel und nicht wenig.” “Und was, wenn man erfahren darf?” hakte Scully weiter nach. Mulder antwortete nicht und blickte wieder auf Scullys Teller. “Darf ich?” fragte er nach einiger Zeit und deutete auf ihren Teller. Scully lächelte und schob Mulder ihren Teller rüber, der ihn wiederum mit einem Lächeln empfing und sich das erste Stück nahm, um dann hineinzubeißen. Er kaute einen Moment lang und schluckte das Stück hinunter. “Ich weiß gar nicht, was sie haben, Scully. Schmeckt doch prima”, meinte Mulder und biss noch ein Stück ab. “Mmh, also ich habe mich nach Ebony erkundigt”, brachte Mulder mit vollen Mund mühsam hervor. Scully schaute ihn erwartungsvoll an, doch Mulder aß seelenruhig das Sandwich weiter. “Und?” fragte Scully nach einer Weile. Mulder schob sich das letzte Stückchen des Sandwiches in den Mund. “Glen Ebony”, meinte er und schluckte wieder, ”hat vor Trinity in Curly Gad in diesem Haus gewohnt.” Mulder griff nach dem zweiten Sandwich. “1887”, fuhr er fort gönnte sich noch ein großes Stück. Er kaute hastig und schluckte dann wieder. “Er wohnte dort ungefähr bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.” “Wieso ungefähr?” fragte Scully die beobachtete, wie sich Mulder das letzte Stückchen in den Mund schob. “Weil er spurlos verschwunden ist”, erklärte Mulder kauend, “und zwar schon seit 1898.” “Aha”, Scully und stand vom Stuhl auf um den Inhalt ihrer Tasse in den Ausguss zu gießen. Mulder reichte ihr den leeren Teller und sie stellte ihn neben ihre Tasse auf die Spüle. “Aber das ist auch gar nicht so wichtig”, erzählte Mulder weiter. “So?” “Tja. Natürlich habe ich mich dann auch über Ebonys Lebensgeschichte erkundigt”, meinte Mulder und schaute zu Scully, die wieder Platz nahm, “er hat nämlich keine.” Scully schaute Mulder verwundert an. “Genauso wenig wie er eine Schwester hat, die menschliche Seelen manipuliert”, fuhr Mulder fort. “Tja. Also ist Trinity doch nur ein Spinner”, fügte Scully fast enttäuscht hinzu. “Das muss nicht sein, Scully. Ebony gab es ja wirklich.” “Ja, aber wer weiß wer das sein soll? Vielleicht war er eben nur irgend ein kleiner Normalbürger und...” “... und ist dann auf einmal nicht mehr von Miami nach Hause gekommen”, führte Mulder höhnisch denn Satz zu Ende, “weil es in Miami nicht so viel regnet wie hier, nicht wahr?” “OK”, sagte Scully gespielt fröhlich, obwohl sie genau das Gegenteil meinte. “Aber Ebony war eben kein normaler Kleinbürger.” “Moment mal, Mulder, sagten Sie nicht gerade eben, Ebony hätte keine Lebensgeschichte?” “Nun ja, so direkt nicht”, bekannte sich Mulder, “auf jeden Fall brachte man ihn mit diversen Morden, die in dieser Umgebung vor circa 100 Jahren begangen wurden in Verbindung. Dann verschwand er urplötzlich.” “Was für Morde?” unterbrach ihn Scully. “Nun ja. Schade, dass es 1898 noch keine X-Akten gab.” “Wieso?” “Das wäre eine gewesen. Alle drei Opfer kamen auf die selbe Weise um, wie unsere sechs.” Scully schaute Mulder mit offenem Mund an. “Als er verschwand, war der Spuk vorbei”, erklärte Mulder weiter. Scully hob die Augenbrauen. Scullys Handy riss beide Agenten aus ihren Gedanken. Scully stand auf und ging zur Garderobe zu ihrem Mantel, aus dem das Geklingel kam. Sie nahm ab. “Scully”, meldete sie sich. “Guten Tag, Agent Scully”, antwortete eine bekannte Stimme. Scully verdrehte die Augen. “Detective Drawn hier.” Er sprach in gewohnter fröhlichen Tonart. “Ich bin jetzt hier im Krankenhaus von Seattle”, erklärte er, “Wir haben einen neuen Koma Patienten dazubekommen. Ein weiteres Mädchen.” “Gibt es auch einen neuen Mord?” fragte Scully. “Nein. Alle wohlauf. Noch...”, antwortete Drawn. “Irgend etwas Auffälliges?” “Nur das Übliche.” “Und was ist das Übliche?” hakte Scully genervt nach. “Naja. Das Altbekannte eben. Plötzlich zusammengebrochen und nicht mehr aufgestanden.” “Hat das Mädchen noch irgendetwas davor gesagt?” “Ich weiß es nicht”, entgegnete der Detective. “Ich hab die Eltern noch nicht befragt. Aber ich rufe Sie nochmal an, wenn ich mehr weiß. Ich war nur der Meinung, dass Sie Bescheid wissen sollten.” “Ja. Danke”, erwiderte Scully und schaltete ihr Handy aus. Sie steckte es wieder in ihren Mantel und drehte sich zu Mulder. “Ein weiterer Koma-Fall”, sagte sie. Sie schauten sich einige Zeit an. “Denken Sie, was ich denke?” fragte Mulder und lehnte sich im Stuhl zurück. “Was denken Sie denn?” fragte Scully und ging auf ihn zu. “Ich denke an Trinity.” Scully schloss entnervt die Augen. “Warum?” fragte sie schroff immer noch die Augen geschlossen. “Scully, das liegt doch auf der Hand. Jetzt sagen Sie nicht, das sie nicht auch Trinity mit den Kindern in Verbindung bringen?” Scully öffnete wieder die Augen. “Aber weswegen denn?” “So gesehen hat er alles zugegeben.” Scully runzelte die Stirn. Was für ein Theorie hatte Mulder sich denn jetzt schon wieder ausgedacht? “Er hat doch selbst zugegeben, dass er Seelen sammelt.” “Er hat auch gesagt, das Ebony eine Schwester hätte”, konterte Scully und lehnte sich gegen den Türrahmen. “Ja. Aber hören Sie, Scully. Die Kinder, das mit den Seelen. Verbinden Sie das doch mal”, erklärte Mulder. “Eh...” “Wenn in einem Körper keine Seele ist, ja, was passiert dann wohl...?” Scully atmete tief ein. Sie wusste, was Mulder ihr klar machen wollte. “Nun gut. Sagen wir mal, Trinity ist schuld, dass die Kinder ins Koma fielen. Warum auch immer. Und was ist mit den Morden? War das etwa auch Trinity?” “Tja, das will ich gerne von ihm selbst wissen", sagte Mulder und stand von seinem Stuhl auf. Er ging zur Garderobe und nahm seinen Mantel. “Sie wollen jetzt also zu Trinity?” fragte Scully und stand von ihrem Stuhl auf. “Ja”, meinte Mulder und öffnete die Tür. “Und was ist mit Claire?” “Und Jason und Darlene”, fügte Mulder hinzu, “die sind alle oben. Ich war eben noch bei ihnen. Als Sie die Sandwiches gemacht haben.” Scully nahm ihren Mantel warf ihn sich über und folgte Mulder, der inzwischen das Haus verlassen hatte. 15 Mulder parkte den Wagen wieder an der selben Stelle wie am Morgen. Scully stieg zuerst aus und wartete auf ihren Partner. Sie gemeinsam auf Trinitys Haus zu, die Vorhänge waren noch immer zugezogen. Scully klopfte und beide Agenten warteten, dass ihnen geöffnet wurde - doch vergebens. Mulder und Scully schauten sich etwas ratlos an, bis sie durch ein lautes Krachen aufgeschreckt wurden. Der Lärm wiederholte sich und beide zogen ihre Waffen aus ihren Holstern. Scully gab Mulder Rückendeckung, während er die Tür aufstieß. Zu ihrer Überraschung war sie gar nicht verschlossen, sondern nur angelehnt gewesen, so dass sie durch die Türangel abprallte. Es bot ihnen der gleiche Anblick, den sie von ihrem ersten Besuch bei Trinity schon kannten. Der Raum war verdunkelt und nur ein paar Kerzen spendeten dämmriges Licht. Mulder betrat langsam - die Waffe vor sich haltend - den Raum. Scully folgte Mulder mit dem selben Tempo. Sie blieben nach ein paar Schritten stehen, bereit auf etwas zu schießen, das sie angreifen würde. “Ich würde mal sagen, wir machen erst mal etwas mehr Licht”, meinte Mulder und wollte den Vorhang, neben dem er stand, zurückziehen. Doch er ließ sich nicht bewegen. Plötzlich schlug die Tür ohne sichtlichen Einfluß zu und der Raum wurde wieder dunkler. Scully spürte, wie sie irgendetwas dumpfes auf den Kopf traf und sie stürzte zu Boden. Auch Mulder blieb nicht verschont. Ihm würde von irgendetwas so stark in den Magen getreten, dass er seine Waffe zu Boden fallen ließ. Scully hielt ihre Sig Sauer noch in den Hände. Sie wollte sich aufrichten, doch sie kam nicht hoch. Es war ihr, als säße jemand mit seinem vollen Gewicht auf ihr. Es war nicht viel, höchstens das Gewicht eines Kindes, aber konnte sie nicht aufstehen.. Sie versuchte ihren Arm zu heben, um sich irgendwie zu befreien, aber als Antwort darauf schlug ihr nur jemand ins Gesicht. Sie ließ vor Schreck die Waffe fallen. Mulder sah, wie Scully sich wand und nicht aufstehen konnte, nur er wusste nicht wieso. Das Licht in dem Raum, war zwar nicht sehr gut, aber dennoch konnte er niemanden erkennen, der seine Partnerin festhielt oder schlug. Für ihn lag Scully einfach nur auf dem Boden und versuchte, sich gegen was auch immer zu wehren. Scullys Hände und Füße wurden nun von einer unbekannten Kraft auf den Boden gedrückt, so dass sie nun fast gar keine Bewegungsfreiheit hatte. Mulder wollte ihr zu Hilfe kommen, als er auch schon einen harten Schlag ins Gesicht bekam und zurück taumelte. Er hielt sich eine Hand vor den Mund und spürte etwas Blut darauf. Das Knacken, dass Scully und Mulder zuvor aufgeschreckt hatte, wiederholte sich nun, und als Mulder bemerkte, dass es von den Regalen ihnen gegenüber kam, wurden urplötzlich alle Kerzen ausgepustet. Der Agent hatte keinen Wind bemerkt und auch keine Gestalt gesehen, die die Kerzen hätten ausblasen können. Es war nun stockfinster im Raum. Mulder konnte seine eigene Hand nicht mehr vor Augen sehen. So war er auch nicht in der Lage zu erkennen, was ihn plötzlich zu Boden zog. Irgendetwas hängte sich an seinen Mantel und brachte ihn zu Fall. Ihm wurden nun - genau wie Scully Füße und Hände festgehalten -, so dass er sich nur noch auf dem Boden winden konnte. Mulder brachte seine ganze Kraft auf und versuchte sich loszureißen. Als Antwort darauf bekam er einen weiteren Schlag ins Gesicht, auch Scully blieb nicht verschont. Doch mit diesem Hieb ließ der Druck auf die Arme und Beine der beiden nach. Auf einmal zogen sich die Vorhänge auf und Sonnenstrahlen erhellten das Zimmer. Scully und Mulder richteten sich auf. Sie konnten niemanden entdecken, und doch verrieten ihre blutigen Nasen und Mulders aufgeschlagene Lippe, dass es nicht reine Einbildung gewesen war. Sie schauten sich weiter um. In dem zuvor aufgeräumten Raum herrschte nun das reinste Chaos. Scully stand als erste auf, nahm ihre und Mulders Waffe vom Boden und gab ihm seine wieder. Sie schauten sich einen Moment lang an. Sie brauchten keine Worte zu wechseln, sie dachten beide dasgleiche. Mulder hatte sich mittlerweile auch aufgerichtet und schaute sich wie Scully in dem Zimmer um. Scullys Blick fiel auf die Holztreppe, die nach oben führte. “Ich werde mal sehen, was da oben ist”, rief sie und deutete die Treppe rauf. “Aber seien Sie vorsichtig”, warnte Mulder und richtete sah in Richtung Regale, denn er war der Meinung, dass das Knacken von dort gekommen sein müsste. Scully ging inzwischen vorsichtig die Treppe hoch. Sie wusste ja nicht, ob sie im nächsten Moment wieder angesprungen werden würde. Sie hielt die Waffe vor sich und ging weiter, bis sie schließlich oben ankam. Was sich ihr bot, war nichts Neues. Das obere Geschoss war ein Ebenbild des unteren. Auch hier herrschten nahezu chaotische Zustände, allerlei Krimskrams lag auf dem Boden verstreut. Sicher dass ihr hier nichts passieren konnte, nahm sie die Waffe herunter und betrachtete weiter den Raum. Es war ein einziger riesiger Raum, wie der unter ihr. Kein Bad, keine Küche, kein Schlafzimmer. Scheinbar gab es in diesem Haus nur zwei gigantische ‘Lagerhallen’. Mulder hingegen betrachtete weiter die Regale. Ein riesiger Schrank befand sich in der rechten Ecke. Der Agent sah, dass die Tür einen Spalt geöffnet war und dass das Möbelstück zu zittern schien. “Scully!” rief er und ging langsam auf den Schrank zu. Scully kam die Treppe hinunter gelaufen. “Was ist los?” fragte sie und sah, wie Mulder mit seiner Waffe auf den Schrank zielte und langsam auf ihn zu ging. Trinity beobachtete Scully und Mulder durch den Spalt der Schranktür und sah, wie beide Agenten mit gezogener Waffe auf sein Versteck zu gingen. Plötzlich wandte er sich um und trat mit aller Kraft gegen die Schrankwand. Scully und Mulder hörten das Krachen erneut. Sie gingen weiter auf den Schrank zu. Plötzlich stieß ihnen irgendetwas unsichtbares die Waffen aus der Hand und sie bekamen beide einen so heftigen Schlag ins Gesicht, dass sie zu Boden fielen. Trinity beobachtete zitternd alles, was dort draußen geschah. Er fing an zu grinsen, verschränkte die Arme und wibbelte mit den Beiden, die er wegen des Platzmangels anwinkeln musste, immer nervös hin und her. Was er sah, beruhigte ihn. Er sah vier kleine Gestalten, die für ihn sichtbar blau-weiß schimmerten. Er wusste, das diese für Scully und Mulder nicht zu erkennen waren, und das war auch gut so. “Die Seelen tun ihre Arbeit", murmelte Trinity mit zittriger Stimme, “gut meine Kinder.” Ein plötzlicher Schmerz ließ ihn zusammenzucken, er schlug mit dem Kopf hart gegen die Schrankwand und fiel in eine Art Trance. Scully und Mulder konnten sich nach dem Knall, der durch das Aufschlagen von Trinitys Kopf verursachte wurde, plötzlich wieder normal regen. Die Seelen ließen von beiden Agenten ab und schwebten durch die Wand aus dem Haus, doch für Scully und Mulder blieben sie weiterhin unsichtbar. Sie standen erneut auf. Mulder schnappte sich schnell seine Waffe. Er wartete, bis auch Scully sich aufgerichtet hatte. “OK, ich gehe jetzt nach vorne und werde diese Schranktür öffnen”, teilte Mulder Scully energisch mit, die nickte und auf die Schranktür zielte. Mulder ging nun die paar Schritte zu dem Möbelstück und öffnete die Tür mit einem Ruck, so dass sowohl er als auch Scully Trinity erblickten. Trinity lag mit verschränkten und angewinkelten Beiden verkrampft im Schrank. Seine Augen waren geschlossen und er zitterte vor Anstrengung am ganzen Leibe. Schweiß rann ihm von der Stirn. Scully sah, dass sich sein Mund bewegte. “Was sagt er?” fragte sie noch immer die Waffe auf Trinity gerichtet. Mulder, der nicht verstehen konnte was Trinity murmelte, beugte sich zu ihm runter. “ ...son, ... Ja ...son, ...Ja ...son”, murmelte Trinity wie hypnotisiert vor sich hin. “Jason”, schrie Mulder auf und stürzte Scully entgegen, “rufen Sie einen Krankenwagen.” Scully sah Mulder hinterher, wie er quer durch das Zimmer zur Tür rannte. Warum er das nicht selber machte, konnte sich Scully nicht ganz erklären. Aber es war jetzt wohl auch der falsche Zeitpunkt, sich darüber zu streiten. Sie steckte ihre Waffe weg und griff in ihre Manteltasche, wo sie mit der Hand nach ihrem Handy suchte, es konnte aber nicht finden konnte. Mulder war nun bei der Tür angekommen und wollte sie öffnen, als Scully ihn aufhielt. “Mein Handy ist weg.” Mulder drehte sich um. Er durchsuchte mit den Händen ebenfalls seine Taschen. “Und meines liegt auf dem Küchentisch”, fiel Mulder auf, dann öffnete er plötzlich die Tür und rannte hinaus. Scully lief ihm hinterher. “Mulder, was machen Sie denn jetzt?” keuchte Scully. “Kommen Sie, Scully, beeilen Sie sich." Mulder lief an ihrem Wagen vorbei, doch Scully blieb vor ihm stehen. “Mulder!” schrie sie ihm hinterher, doch dieser stoppte nicht. Scully merkte, dass es keinen Sinn hatte, sie hatte die Autoschlüssel nicht. Deswegen musste sie gezwungenermaßen Mulder hinterherlaufen, der die Straße, die sie hergekommen waren, entlang lief.