LIGHT by BlackOceanDeep 16 unbekannter Ort, 14.56 Uhr "Was hast du mit dem Krankenwagen gemacht?" "Da kommt niemand mehr ran. Die Leichen sind an einem sicherem Ort aufbewahrt, und werden bald möglichst sauber entsorgt. Alles ist geregelt." "Und wo sind die Sanitäter? Was ist mit dem Krankenhaus, ist das auch geregelt?" "An alles ist gedacht. Die Männer werden sich an nichts erinnern. Sie werden glauben, dass sie von der Straße abgekommen sind." Der Mann im Dunkeln nahm noch einen Zug von seiner Zigarette und der Qualm, der aus seinem Mund aufstieg, umhüllte sein Gesicht, von dem nur die Umrisse zu sehen waren. Der rote Punkt der Zigarette glühte einmal stark auf, als der Mann an ihr zog. Man hörte, wie er den Rauch einatmete und wieder ausstieß. Nach einer längeren Stille: "Gut. Ich hoffe, dass es auch weiterhin so gut läuft...", sagte er mit einem kleinen drohenden Unterton und verschwand dann so schnell wie er gekommen war fast geräuschlos durch die Hintertür. 17 Raysonstreet, 15.00 Uhr Als Mulder und Scully in die Raysonstreet einbogen, erwarteten sie, dass noch ein paar Polizisten am Tatort stehen würden, aber weit gefehlt. Nirgends stand auch nur ein einziger. Mit einem gemischten Gesichtsausdruck aus Verwirrung und Neugier hielten sie vor dem großen Haus von Calvin Klainsteen. "Ich schlage vor, dass wir noch mal zu Calvin gehen und ihn fragen, wo die Opfer gewohnt haben", meinte Mulder. Scully stieg ohne ein Wort aus dem Wagen aus und knallte die Tür hinter sich zu. Mulder tat es ihr nach. Als sie an der Haustür angekommen waren, klingelte Scully... Niemand öffnete. Nach einer Minute klingelte sie noch mal... Wieder öffnete niemand. "Vielleicht ist er nicht da", meinte Mulder achselzuckend. Scully schaute misstrauisch auf die Tür. Nach ein paar augenscheinlichen Prüfungen, versuchte sie den Türknauf zu drehen, doch als sie gerade den Türknauf herumdrehen wollte, ging die Tür durch Scully's Berührung ein Stückchen auf. Scully und Mulder warfen sich einen scharfen Blick zu. Sie zogen langsam ihre Waffen und gingen in das Haus hinein. Als sie drinnen waren, schloss Mulder die Tür hinter sich zu. Als alle Räume bis auf das Wohnzimmer untersucht worden waren, schlichen sie sich an die dorthin führende Tür heran. Scully stand an den Rahmen der Tür gepresst da, schaute aber noch nicht in das Wohnzimmer hinein. Mulder befand sich gegenüber von Scully, auf der anderen Rahmenseite und schaute sie an. Scully erwiderte seinen Blick und hielt ihre Waffe - wie Mulder - mit dem Lauf nach oben mit beiden Händen dicht neben ihrem Gesicht fest. Beide entsicherten ihre Waffen und lauschten. Kein Geräusch war zu hören. Mulder nickte symbolisch leicht mit dem Kopf. Eins... Zwei... Drei! Mulder riss die Tür auf und beide stürmten gleichzeitig, die Waffe auf ein unbestimmtes Ziel gerichtet, in das Wohnzimmer. Doch sie erschraken leicht, als sie bemerkten, dass der Raum total verdunkelt war. Die riesen großen Fenster, die ca. 6 Meter hoch waren, waren mit dunklen Vorhängen verhangen, so dass kein einziger kleiner Lichtstrahl hindurch kommen konnte. Nur die von Mulder aufgerissene Tür ließ ein paar Lichtstrahlen hinein, doch da das Wohnzimmer so riesig war, haben sie auch nicht viel genützt. "Calvin?!!" rief Scully in den beängstigend dunklen Raum. Niemand antwortete ihr. Mulder versuchte verzweifelt einen Lichtschalter neben der Tür zu ertasten, aber er fand keinen. Scully versuchte es noch einmal. "Calvin, hören Sie mich? Hier sind Mulder und Scully! Calvin?!!!" Aber keiner gab einen Laut von sich. Um die Vorhänge von den Fenstern zu ziehen, mussten sie 15 Meter weit zum anderen Ende des Raums durch die Dunkelheit gehen. "Ich gehe an die Fenster und ziehe die Vorhänge zurück", sagte Scully und tat schon den ersten Schritt. "Vorsicht, da sind ein paar Stufen!" warnte Mulder sie. "Ist schon O.K., ich sehe sie", antwortete Scully, während sie, die Waffe immer noch zielend vor sich haltend, die Stufen hinunter ging. Als sie die fünf teppichbedeckten Treppen hinuntergegangen war, konnte sie schon nichts mehr sehen. Blind und etwas verängstigt ging sie durch den Raum. Plötzlich stieß sie gegen einen kleinen Tisch. Sie wich etwas erschrocken ein Stückchen zur Seite, ging aber dann weiter. "Alles in Ordnung, Scully?" rief ihr Mulder hinterher. "Alles bestens!" antwortete sie. Mulder konnte Scully auch nicht mehr sehen und überlegte, ob er ihr hinterhergehen sollte. Wie kann man nur so ein riesiges Wohnzimmer haben? dachte Scully während sie durch das Wohnzimmer ging. "Scully, ist alles O.K.?" "Ja! Alles O.K., Mulder! ...Aber fragen Sie mich nicht jede Sekunde danach." Den letzten Satz hatte Scully nur gemurmelt, so dass Mulder sie nicht verstehen konnte. Wenn ich je mal so viel Geld verdienen sollte, dass ich mir ein Haus leisten kann, dann wird das Wohnzimmer gaaanz klein und es kommen an jeder Ecke Lichtschalter hin. dachte Scully. Ich müsste jetzt bald am Fenster sein, nur noch ein paar... Plötzlich packte etwas Scully und hielt ihr den Mund zu. Es fühlte sich warm und gummig an. Sie spürte einen schmerzenden Stich in ihrer linken Hüfte. Sie wollte sich wehren, aber sie war wie gelähmt. Sie konnte kaum einen Finger rühren und schaffte es auch nicht, ihre Waffe zu benutzen. Der Versuch zu schreien brachte auch nichts. Sie schaffte es nicht, dieses gummige Ding, das ihren Mund zuhielt, zu übertönen, es war, als wenn es schalldicht wäre. "Scully? Ist mit ihnen alles in Ordnung?" rief Mulder besorgt, da er seit langem kein Geräusch mehr gehört hatte. - Keine Antwort. "Scully! Was ist los? Antworten Sie! Scully!!!" Wieder vernahm er nichts. "Verdammt, Scully!!! Antworten Sie mir!" Als Mulder diesmal wieder nichts von Scully hörte, stürmte er, die Waffe in die Dunkelheit gerichtet, die Stufen hinunter und rief weiter nach Scully. Scully war inzwischen total entkräftet und fühlte sich müde. Verzweifelt versuchte sie, sich gegen die Macht zu wehren, die sie festhielt, aber sie hatte fast keine Kraft mehr. Sie fühlte einen warmen und ebenso gummigen Körper an ihrem Rücken und hörte Mulder im Hintergrund nach ihr schreien. Sie mussten ihr irgendwas injiziert haben, dachte Scully benebelt. Sie versuchte, ein letztes Mal nach Mulder zu schreien, doch es kam nur ein viel zu leises: "Mhh..." hervor. Das hatte Scully das letzte bisschen Kraft gekostet. Ihre Hand lockerte sich und die Pistole glitt ihr aus den Händen und fiel zu Boden. Sie hörte Mulder nur noch weit weg nach ihr rufen, dann fielen ihre Augen langsam zu und sie verlor ihr Bewusstsein. "Scully!" rief Mulder und irrte ziellos durch den Raum. "Sc...!" Weiter kam er nicht. Er bemerkte nur noch einen dumpfen Schlag auf seinen Kopf und fiel dann bewusstlos zu Boden. Plötzlich tauchte ein grelles weißes Licht auf, dass aber nicht auf ihn zukam, sondern sich von ihm entfernte. 18 Haus von Calvin Klainsteen, 23.13 Uhr "Mr. Mulder, wachen Sie auf. Mr. Mulder", bat eine bekannte Stimme. Mulder schlug langsam die Augen auf. Die Vorhänge waren wieder zurückgezogen, doch das nützte wenig, da es draußen auch schon fast ganz dunkel war. Als er wieder einigermaßen bei Bewusstsein war, schreckte er zurück und hielt seine Waffe, die er nicht losgelassen hatte auf die Person, die vor ihm hockte. "Halt, stop! Mr. Mulder, ich bin's, Calvin Klainsteen!" stammelte Calvin, die Hände abwehrend hochgehalten. Mulder begriff erst nach ein paar Sekunden und ließ erst dann seine Waffe sinken. "Was ist passiert? ...Wo ist Scully?!" fragte er verwirrt. "Ich weiß nicht, wo ihre Partnerin ist. Ich bin selber von jemanden oder etwas zusammengeschlagen worden." Mulder war von dem harten Schlag noch ziemlich benebelt. Sein Kopf dröhnte. Instinktiv griff er sich an seinen Hinterkopf. Er fühlte etwas feuchtes und als er seine Hand wieder ansah, sah er Blut daran kleben. "Sie haben einen ganz schönen Schlag ab bekommen." Mulder wusste im Moment nicht, woran er denken sollte. Jeder Gedanke, der ihm durch den Kopf ging, entglitt ihm nach ein paar Sekunden wieder. "Wer oder was hat uns denn zusammengeschlagen? Und was hat es mit Scully gemacht?" "Ich weiß es nicht, Mr. Mulder. Aber kommen Sie erstmal mit. Wir müssen ihre Kopfwunde versorgen", bat ihn Calvin. Calvin stand auf. Er hatte sich schon etwas gefasst, aber Mulder hatte einen sehr harten Schlag auf den Kopf bekommen, da konnte er noch nicht wieder weggehen. Mulder schüttelte den Kopf und machte Anstalten aufzustehen. "Nein... ich muss Scully finden. Sie ist von ihnen entführt worden. Helfen Sie mir, ich muss... Scully..." Mulder hielt sich seinen Kopf und war gerade ein paar Sekunden auf den Beinen, als er auch schon wieder zur Seite kippte. Calvin war direkt zur Stelle und stützte ihn. "Sie werden nirgendwo hingehen. Ich kann ja verstehen, dass Sie sich um ihre Partnerin Sorgen machen und dass Sie sie suchen wollen, aber wenn Sie auf dem Weg zu ihr umkippen hilft das weder ihr, noch Ihnen." Mit Mulder's Arm über seiner Schulter und Calvin's Arm um Mulder's Seite torkelten sie zur Couch hin. Calvin knipste mit einer Hand den Lichtschalter an, der an der Wand über der Couch war und legte Mulder langsam auf die Couch. Dann stürmte er ins Badezimmer und holte einen Verband und ein Tuch mit Desinfektionsspray drauf. Als er wieder zu Mulder ins Wohnzimmer kam, sah er, dass Mulder wieder saß und versuchte auf zu stehen. "Mr. Mulder! Bleiben Sie liegen. Sie kommen sowieso nicht weit!" rief er Mulder zu. Calvin legte das Verbandszeug auf den Tisch und drückte den total benommenen Mulder auf die Couch zurück. Mulder protestierte zwar, war aber so geschwächt, dass er gegen Calvin nicht ankam. Als Mulder wieder auf der Couch lag, fielen ihm auch schon direkt vor Erschöpfung die Augen zu. Er träumte von Scully. Er träumte von Fällen an denen sie zusammen gearbeitet hatten und wie oft Scully dabei "den Kürzeren" gezogen hatte. Er träumte davon, wie oft Scully ihm schon das Leben gerettet hatte... und von ihrem Lächeln; von dem er Angst hatte, dass er es nie wieder sehen würde. Seine Gedanken zerstreuten sich und er fiel in einen unruhigen Schlaf. 19 18.05.97 11.48 Uhr Mulder... Mulder...Helfen Sie mir. Scully? Wo sind Sie? Mulder... Bitte, helfen Sie mir.... Mulder.... Scully? Sagen Sie mir wo Sie sind! Ich muss wissen wo Sie sind! Eine Krone aus Dornen...... Eine Krone aus Dornen? Was bedeutet das? Scully, was bedeutet das? Helfen Sie mir, Scully, was bedeutet eine Krone aus Dornen?!! Scully! "....Scully!!" Mulder schreckte aus seinem Schlaf hoch. "Ruhig, Mr. Mulder. Sie haben lange geschlafen", beruhigte ihn Calvin. Mulder atmete tief durch. Er war verschwitzt und immer noch nicht ganz bei Kräften. "Sie haben einen Tag geschlafen. Wie geht es Ihrem Kopf?" Mulder fasste sich an seinen Hinterkopf, der mit einem Verband umwickelt war. "Es geht schon... Calvin, mir ist Scully im Traum erschienen. Sie hat etwas von einer Krone aus Dornen gesagt. Was hat das zu bedeuten?" Calvin runzelte grübelnd die Stirn. "Eine Krone aus Dornen... Scheint was Religiöses zu sein." Mulder setzte sich auf. "Ich muss herausfinden, was das zu bedeuten hat." "Moment mal! Erst mal muss ich wissen, wie es Ihrer Wunde geht", bremste ihn Calvin. Widerwillig ließ Mulder ihn an seinen Kopf. Er nahm den Verband ab und schaute nach, ob die Wunde sich entzündet hatte. Nach ca. einer Minute stellte er dann fest: "Die Wunde hat sich nicht entzündet. Sieht ganz gut aus. Warten Sie, ich hole einen neuen Verband." Calvin ging ins Badezimmer und holte noch etwas Verbandszeug und Desinfektionsspray, dann ging er wieder ins Wohnzimmer. "So, Mr. Mulder, jetzt verbinde ich noch mal Ihren Kopf und dann...", wollte Calvin anfangen, aber als er auf die leere Couch sah, brach er den Satz ab. Er stürmte zur Haustür und sah nur noch Mulder's Mietwagen ausparken und davonfahren. Calvin stand noch einige Sekunden da und schaute dem Wagen hinterher. "Viel Glück, Mr. Mulder. ... Sie werden es brauchen", murmelte Calvin. Er hatte kaum noch Hoffnung, dass Mulder seine Partnerin lebend wiederfinden würde... 20 16.02 Uhr Mulder fuhr den ganzen Tag quer durch die ganze Stadt, aber er fand nirgendwo einen Anhaltspunkt, der ihn zu Scully bringen könnte. Deprimiert und erschöpft kehrte er in das Hotel Piper zurück. Als er vor seinem Zimmer stand, schaute er auf Scully's Zimmertür. Er steckte seinen Schlüssel wieder ein und holte Scully's Schlüssel hervor, den er, als sie in ihrem Zimmer zusammengebrochen war, eingesteckt hatte. Er schaute auf ihren Schlüssel und dann wieder auf die Zimmertür. Dann ging er auf die Tür zu und schloss sie auf. Als er die Tür wieder hinter sich zugeschlossen hatte, ging er langsam in die Mitte des Zimmers. Er sah auf das Bett, wo Scully zuvor drin geschlafen hatte. Er sah auf die Medikamente, die auf dem Nachttisch standen und auf die Kleidung, die noch auf der Bettkante lag. Mulder ging auf das Bett zu und setzte sich langsam hin. Nach ein paar Sekunden schaute er noch mal auf die Kleidung, die neben ihm auf der Bettkante lag und nahm ihre weiße Bluse in die Hand. Er strich ein paar mal darüber und schaute sie sich lange an. Er spürte starke Schuldgefühle in sich wachsen und sich in seinem ganzen Körper ausbreiten. Er nahm Scully's Bluse und roch daran. Es roch nach ihr. Diesen Geruch kannte er und er vermisste ihn. Was haben Sie mit ihr vor? Warum sie? Warum konnte es nicht mich erwischen? Mulder fühlte seine Traurigkeit immer mehr in seinen Kopf steigen. Eine Träne rollte ihm über die Wange. Dann konnte sich nicht mehr zurückhalten, er fing an zu weinen. All seine Ängste und seine Traurigkeit kamen jetzt hoch und machten sich bemerkbar. "Scully. Wo sind Sie?" schluchzte er und legte sich auf ihr Bett. "Ich weiß nicht, wo ich suchen soll..." Nach ein paar Minuten schlief er aber vor Erschöpfung ein... Mulder... helfen Sie mir... Scully? Wo sind Sie? Mulder... helfen Sie mir, ich habe Angst... Wo sind Sie, ich kann Sie nicht sehen. Scully! Helfen Sie mir, Mulder... dieses Licht... Mulder, bitte. Welches Licht? Scully, bitte geben Sie mir einen Anhaltspunkt! Ich weiß nicht, wo ich suchen soll! Scully? Scully? Antworten Sie mir! Scully, bitte! Mulder... beeilen Sie sich... Scully? Gehen Sie nicht weg! Scully! Was bedeutet die Krone aus Dornen?! Scully!! "... Scully!" Mulder schreckte total verschwitzt hoch. Er hatte schon wieder diesen Traum. Was hatte sie mit dem Licht gemeint? Er schaute auf seine Uhr: 10.23 Uhr. Mulder setzte sich auf und strich sich über sein Gesicht. "Wie kommt Scully nur immer in meinen Traum?" Eines wusste Mulder, er musste sich beeilen. Als er zufällig auf das Nachttischschränkchen sah, entdeckte er eine Kette - Scully's Kette. Er nahm die goldene Kette mit dem Kreuz in die Hand und überlegte. Eine Krone aus Dornen..... Eine Krone aus Dornen..... Plötzlich durchfuhr Mulder ein Gedanke. "Das ist es! Eine Kirche! Kirchen haben öfter eine Krone aus Dornen über der Tür hängen." Über sein Gesicht huschte ein kleines Lächeln. Jetzt konnte er neue Hoffnung schöpfen. Er schloss symbolisch seine Hand, in der Scully's Kette mit dem Kreuz lag und ging zur Tür hinaus. Er würde alles riskieren, um Scully zu retten... wenn es sein muss, auch sein eigenes Leben... 21 19.05.97 Jacksonstreet, 11.46 Uhr Mulder fuhr quer durch die Stadt und hielt nach ein paar Minuten neben einer jungen, schwarzhaarigen Frau. Er kurbelte das Fenster herunter und schaute die junge Frau aufmerksam an. "Endschuldigen Sie", fing er an. Die junge Frau drehte sich zu Mulder um und bückte sich etwas um in das Auto hineinsehen zu können. "Kann ich Ihnen helfen?" fragte sie mit einem breiten Lächeln auf den Lippen. "Ich hoffe es. Können Sie mir sagen, wo hier die nächste Kirche ist?" Die junge Frau nickte wild, als ob sie nichts lieber tun würde, als Mulder den Weg zur Kirche zu erklären. "Ja, klar. Wir haben nur eine Kirche in dieser Stadt. Fahren Sie einfach gerade aus, bis Sie in der Second Avenue am großen Wald angekommen sind. Wenn Sie den Wald gefunden haben, können Sie die Kirche nicht verfehlen. Es sind ca. 20 Minuten bis dorthin, aber Sie sollten sich darüber im klaren sein, dass dort kaum jemand wohnt... sie liegt ziemlich abgelegen von der Zivilisation - kaum jemand geht in diese Kirche. Und außerdem... der Pater, der da alleine drin wohnt... also... er war mal in einer Irrenanstalt," die junge Frau drehte symbolisch den Zeigefinger vor ihrer Schläfe. "Er wollte sich schon mal umbringen, weil er meinte, dass er Aliens gesehen hätte. Das war vor ca. zwanzig Jahren. Jetzt lebt er allein und zurückgezogen in dieser alten Kirche. Aber ehrlich gesagt...," die junge Frau beugte sich ein bisschen näher zu Mulder ans Fenster und schaute geheimnisvoll drein. "Aliens... also, das ist doch etwas absurd, finden Sie nicht?" Mulder blickte kurz zur Seite und schnalzte dann mit der Zunge. "Tja... Ich danke Ihnen, dass Sie mir den Weg beschrieben haben. Auf Wiedersehen." Als Ersatz für "gern geschehen" nickte die Frau freundlich lächelnd mit dem Kopf und ging weiter. Als Mulder weiterfuhr, fing es an zu regnen - so stark, dass er Mühe hatte, durch das Vorderfenster zu sehen, obwohl die Scheibenwischer schon ihre Arbeit machten. Wonach suche ich eigentlich? Wenn ich an der Kirche bin... was soll ich dann machen? dachte Mulder zweifelnd, als er durch die kleine Stadt New Haven fuhr. Die Scheinwerfer seines Wagens spiegelten sich auf der nassen Oberfläche der Straße. Es sah so aus, als ob die Straße mit einer Glasschicht überzogen worden wäre. Mulder war noch in Gedanken, als er plötzlich eine rote Ampel ein paar Meter vor sich sah. Er machte eine Vollbremsung und blieb kurz vor dem Mercedes vor ihm stehen. Erleichtert atmete er aus, als er registrierte, dass er keinen Schaden angerichtet hatte. Außer dem Scheibenwischer, der gemäßig hin und her glitt und einen beruhigenden Klang hatte, war kein Geräusch zu hören. Als Mulder durch das durch den Regen verschwommene Fenster zur Ampel sah, musste er an Scully denken, als sie die letzten paar Male eine Begegnung mit der Sorte "rote Ampel" hatten. "Mit Ampeln haben Sie's aber nicht so, Mulder." Ein kleines Lächeln zeichnete sich in Mulder's Mundwinkeln ab, als er an diesen Moment dachte. Dieses Lächeln verzog sich aber schnell wieder, als er die hupenden Autos hinter sich hörte. Er schaute auf die Ampel, die wahrscheinlich schon einige Zeit grün war und fuhr blitzartig los. Er fuhr auf eine Landstraße, an deren einer Seite sich eine große Wiese entlangzog und auf der anderen Seite ein dichter Wald lag. Dass muss er sein. dachte Mulder. Aber wo ist die Kirche? Er fuhr noch einige Meter weiter, als er ein kleines Gebäude, ca. 60 Meter von ihm entfernt bemerkte. Mulder steuerte darauf zu und sah er, dass es eine Kirche war. Als er vor ihr hielt, erkannte er etwas über ihrer Eingangstür - eine Krone mit Dornen. 22 Auf einem Waldweg vor der kleinen Kirche, 13.17 Uhr Nachdem Mulder die Krone aus Dornen einige Zeit betrachtet hatte, stieg er aus seinem Wagen in das kalte und feuchte Wetter. Der Regen hatte etwas nachgelassen, doch er war immer noch nicht zu übergehen. Sein Jackett fröstelnd an sich gedrückt, ging er auf die Eingangstür der Kirche zu. Die Tür war nicht verschlossen. Ohne sich großartig bemerkbar zu machen, ging er in die Kirche, die von außen und innen so aussah, als ob sie schon mehrere Jahrzehnte alt war. Als er die Tür hinter sich wieder geschlossen hatte, sah er sich erstmal um. Die Kirche war wirklich nicht sehr groß. Wenn es hochkommt, würden hier wahrscheinlich nur 20 Leute drin Platz finden. Dämmriges Licht fiel durch kleine Fenster. Der Altar war so mickrig und klein, dass es fast schon lächerlich war, ihn in einer Kirche unterzustellen. Um den Altar herum standen entzündete Kerzen, was darauf hinwies, dass hier noch jemand lebte. Über dem Altar hing ein kleines Kreuz aus Eisen, dass gerade mal ungefähr 1 Meter lang und breit war. Es war eine sehr beunruhigende Stille in dieser Kirche, die Mulder etwas nervös machte. Er ging auf den Altar zu und schaute sich prüfend um. Er konnte nichts anderes als seine Schritte hören, die auf dem alten Marmorboden hallten. Als er gerade in eine kleine Tür neben dem Altar gehen wollte, kam ein alter, dürrer Priester mit einer schwarzen Kutte und einer Kette mit einem Kreuz daran um seine Hüfte gebunden aus der Tür. Mulder erschrak, als der Mann plötzlich aus dem dunklen Hintergrund der Tür auftauchte, der etwas größer war, als er selbst. "Kann ich Ihnen helfen, mein Sohn?" fragte der Priester, dessen Gesicht von seinem alter gezeichnet war und sich kaum rührte, als er sprach. "Vielleicht," entgegnete Mulder. Der Priester schaute Mulder prüfend an. "Sie sind kein Katholike?" fragte er. Sein Gesicht hatte sich immer noch kein bisschen verändert. "Nein, ich bin nicht getauft", entgegnete trocken. Ohne etwas weiteres zu sagen, ging der Priester an Mulder vorbei und murmelte: "Kommen Sie mit, mein Sohn, wir können auf den Bänken weiterreden." Mulder ging ihm hinterher, bis sie an der ersten Bank angekommen waren. Bevor er sich hinsetzte, symbolisierte der Priester ein Kreuzzeichen auf seiner Brust und murmelte dabei etwas. Mulder setzte sich einfach nur hin und schaute den Priester erwartungsvoll an. Nach ein paar Sekunden Stille fragte der Priester ohne sein Gesicht vom Kreuz abzuwenden: "Was haben Sie auf dem Herzen, mein Sohn?" "Ich möchte nur fragen, ob Sie in letzter Zeit irgend etwas Auffälliges bemerkt haben. Haben Sie irgendwelche Geräusche gehört, oder ist hier jemand Auffälliges hereingekommen?" fragte Mulder mit hochgezogenen Augenbrauen. Der Priester hatte seine Augen immer noch nicht von dem Kreuz abgewendet. "Hier kommen nicht oft und nicht viele Menschen hin und wenn sich mal welche hier hin verirren, fragen sie meist nur nach dem Weg zum nächsten Hotel. Etwas anderes ist in den letzten Jahren nicht vorgekommen", antwortete er tonlos. Mulder fühlte sich in der Gesellschaft dieses Mannes nicht wohl. Er war ein Mann, der keine Gefühle zeigte und von dem man sich kein Lächeln vorstellen konnte. "Darf ich mich hier mal umsehen?" fragte Mulder vorsichtig. "Umsehen?" dieses Wort hallte in der kleinen Kirche wider. "Tut mir leid. Umsehen können Sie sich hier nicht. Das werde ich nicht zu lassen", protestierte der Priester - sein Gesicht immer noch starr auf das Kreuz über dem Altar gerichtet. "Ich bin vom FB..." "Es ist mir egal, woher Sie kommen, oder wo Sie arbeiten!" brummte der Priester drohend. "Meine Kirche wird nicht durchsucht!" der Körper des Priesters bebte, aber sein Gesicht verriet keine Regung und seine Augen waren immer noch starr auf das Kreuz gerichtet. Mulder atmete tief ein. "Bitte Pater, lassen Sie mich ihre Kirche durchsuchen, ich suche..." "Ich habe gesagt, meine Kirche wird nicht durchsucht! Verstehen Sie mich nicht?" zischte der Priester. Seine knochigen Hände mit langen, dünnen Fingern gruben sich in seine Kutte und drückten fest zu, als sie ein Stückchen Stoff ertastet hatten. "Nun gut,... Auf Wiedersehen.... Pater", sagte Mulder und ging schnellen Schrittes zur Haupttür. Er öffnete die Tür einen Schlitz, schaute noch mal zu dem Pater zurück, der immer noch dasaß ohne einen Muskel bewegt zu haben und auf das Kreuz starrte. Dann ging er raus und schloss die Tür hinter sich. Es dämmerte schon und der Regen hatte fast aufgehört. Mulder lief um die Kirche herum, um einen anderen Eingang zu suchen, aber er fand keinen. Niedergeschlagen ging er zu seinem Wagen zurück und setzte sich rein. Jetzt war er da und er hatte immer noch nichts Auffälliges gefunden. Kurzer Hand beschloss er, in der Nacht noch einmal zu versuchen in die Kirche reinzukommen. Plötzlich fühlte er einen stechenden Schmerz am Hinterkopf. Er fasste sich an seine Wunde und als er wieder auf seine Hand schaute, klebte Blut an ihr. Er gab einen zischenden Laut von sich und nahm aus dem Handschuhfach eine Packung Taschentücher heraus. Er nahm eines aus der Hülle und hielt es an seine aufgeplatzte Wunde. Es brannte etwas, als das Taschentuch die offene Wunde berührte, aber der Schmerz ließ nach ein paar Sekunden nach. Er lehnte sich in seinen Sitz zurück und schloss seine Augen. Nach ein paar Minuten glitt seine Hand, die er auf dem Taschentuch an die Wunde hielt hinunter und er schlief ein. 23 23.45 Uhr Mulder!!! "Scully??!" Mulder riss die Augen auf. Er hatte schon wieder von Scully geträumt. Aber diesmal hatte sie ihn nur einmal gerufen. Unsicher schaute er sich um. Es war stockdunkel und kein Geräusch presste sich von draußen in das Auto. Als Mulder sich wieder gesammelt hatte, erinnerte er sich daran, dass er noch mal in die Kirche gehen wollte. Er griff sich an den Hinterkopf, um nach zu schauen, ob die Wunde aufgehört hatte zu bluten. Und sie hatte aufgehört. Er nahm das blutverklebte Taschentuch von der Wunde und legte es vor sich auf die Ablage. Als er die Wagentür öffnete, hörte er die Grillen, die gemächlich ihre Nachtmusik spielten. Es war ungewohnt, kein Autolärm, kein Menschengeplapppere und auch sonst keine Geräusche von der normalen Welt zu hören. Ja, er war wirklich in einer kleinen Welt, weit abgeschieden von der restlichen Zivilisation. Mulder stieg aus dem Wagen aus, ließ die Tür aber auf; es war unwahrscheinlich, dass hier irgend jemand versuchen würde seinen Mietwagen zu stehlen. Langsam schlich er zur Eingangstür der Kirche und drehte an der Türklinke.....- die Tür war nicht verschlossen. Leise schlüpfte er durch einen Schlitz, den er geöffnet hatte, hinein. Als er gerade durch den kleinen, dunklen Vorflur in die Kirche hinein gehen wollte, ließ er plötzlich einen Schrei los... Direkt vor seiner Nase hing der leblose Körper des Priesters, mit dem er zuvor gesprochen hatte, an einem Seil, dass an einem Balken, der die Wand stützte, befestigt war. Mulder wich erschrocken zurück und schaute zu dem Körper hinauf. Er war vollkommen schlaff: die Arme hingen locker herunter und die Beine baumelten kraftlos in der Luft. Es war so dunkel in der Kirche, dass man das Gesicht des Priesters nicht erkennen konnte. Man konnte durch das Gewicht, das da an dem Seil hing, das knarrende aufeinanderreiben der Fasern hören. Mulder schluckte schwer. Er streckte seine Hand aus, um zu fühlen, wie lange er schon dort oben hing. Seine Hand war noch warm, aber es war kein Puls zu fühlen. Er hing hier höchstens erst eine halbe Stunde, wenn nicht noch weniger. Mulder wäre fast über den Hocker gestolpert, den sich der Priester zur Stütze hingestellt hatte, als er in das Innere der Kirche gehen wollte. Warum hat sich der Priester ausgerechnet jetzt umgebracht? Hat er vielleicht... Mulder durchfuhr ein kalter Schauer, als ihm der Gedanke durchfuhr, dass der Priester vielleicht wieder Außerirdische gesehen haben könnte. Er ging schnellen Schrittes durch den Raum und ging auf die Türe zu, die er nicht hatte öffnen können, da der Priester dort heraus kam. Er drehte den Türknauf...- die Tür war verschlossen. "Verdammt!" fluchte Mulder und schlug mit der Faust gegen die Tür. Als er gerade versuche wollte, die Tür auf zu brechen, unterbrach ein leises Summen sein Vorhaben. Er schaute auf die Eingangstür, die er zuvor wieder geschlossen hatte, als er hier eingebrochen war. Das Summen wurde lauter und Mulder ging die Treppe, die zum kleinen Altar führte, wie hypnotisiert wieder hinunter. Als das Summen wieder etwas leiser wurde, ging er automatisch schneller, bis er schließlich lief. Er drängte sich an der Leiche von dem Priester vorbei, die etwas von ihm angestoßen wurde und sich deswegen jetzt hin und her bewegte. Mulder riss die Tür auf und starrte in die dunkle Nacht hinein. Er konnte nichts Ungewöhnliches erkennen, als er sich umschaute. Er ging weiter in die Nacht hinein und schaute sich nach allen Seiten um - Nichts. Gerade wollte er sich weismachen, dass er sich das nur eingebildet hatte und wieder in die Kirche zurückkehren, als das Summen wieder anfing. Erneut drehte er sich nach allen Seiten um, sah aber nichts. Inzwischen war er sich sicher, dass er sich das alles nicht einbildete und lief weiter hinaus. Er erreichte seinen Wagen, dessen kleines Innenlicht noch strahlte und ließ ihn hinter sich. Er rannte aufs offene Feld, dass auf der linken Seite vom dichten Wald umgeben war und schaute in den Wald. Der Boden war weich und er konnte das feuchte Gras durch seine Schuhe spüren. Mulder war zwar kaum in der Lage, irgend etwas zu erkennen, aber er hoffte, wenigstens etwas zu sehen, das vielleicht das Summen auslösen könnte, doch er erblickte rein gar nichts. Das Summen wurde nicht leiser, sondern eher lauter. Es hatte einen fremden Ton. Noch nie zuvor hatte Mulder so ein seltsames Geräusch gehört. Plötzlich wurde es ziemlich kalt. Es war sehr ungewöhnlich, dass es von einer auf die andere Sekunde so abkühlte. Mulder drehte sich langsam im Kreis, um alle Seiten zu beobachten. Als er sich gerade zur offenen Seite des Feldes drehte, wurde das Summen auf einmal so laut, dass seine Ohren dröhnten. Er hielt sie sich zu und drehte sich blitzartig in Richtung des Waldes. Es wurde in sekundenschnelle immer kälter, so dass Mulder sogar unter seinem Mantel fror. Dann fing es an zu regnen. Man konnte die Tropfen zwar nicht sehen, aber er spürte sie nur zu gut. Mulder's Blick wanderte von dem Boden, auf dem die Bäume standen, entlang am Stamm bis hin zu den Wipfeln der Tannen. Plötzlich blendete ihn ein so gleißend grelles und weißes Licht, dass seine Augen sofort anfingen zu Tränen und er vor Schmerzen schrie, während er mit seinem ganzen Körper unter ihnen zusammenzuckte. Er ließ von seinen dröhnenden Ohren ab und hielt schützend die Hände vor seine Augen, die unwahrscheinlich stark schmerzten, während das unerträgliche Summen immer näher kommen zu schien... 24 19.05.97 2.00 Uhr Mulder war von den unerträglichen Schmerzen so überwältigt, dass er stöhnend zu Boden fiel. Er zog seinen Mantel über seine Augen und presste seine Hände noch darauf, doch das Licht schien immer noch hindurch zu kommen. Kein Licht dieser Welt konnte so stark sein, um durch die Augenlider, den dicken Mantel und zwei Händen noch so stark durchzukommen! Als er gerade daran gedacht hatte, dass er nicht mehr lebend von diesem Ort wegkommen würde, sah er kein Licht mehr. Das Summen war auch verschwunden und es wurde auch wieder wärmer. Er sah kleine grüne, gelbe und rote Punkte vor seinen geschlossenen Lidern umherziehen und nach ein paar Sekunden zog er langsam seinen Mantel von seinen Augen weg. Er konnte nur schlecht sehen und sah immer noch kleine, bunte Punkte vor seinen Augen herumtanzen. Als sie sich nach ein paar Sekunden wieder einigermaßen erholt hatten, schaute er sich um. Dann stockte ihm sein Atem. "Scully!!!" rief er erschrocken. Scully lag ungefähr 50 Meter von Mulder entfernt bewusstlos auf dem Feld. Mulder sprang auf und stürzte zu Scully hin. "Scully!!" schrie er verzweifelt. Der Rasen war vom Regen klitschnass und quietschte unter Mulder's Schuhen. Es regnete immer noch stark und Mulder hatte Probleme, nicht auf der glitschigen Wiese auszurutschen. Durchnässt bis auf die Knochen und völlig außer Atem kam Mulder bei Scully an und warf sich zu ihr in die Hocke. Er hob ihren Oberkörper auf seine Arme und hielt sie fest. "Scully. Hören Sie mich? Scully!" fragte Mulder verzweifelt, doch Scully rührte sich nicht. Aber sie atmete noch. Plötzlich fing das Summen wieder an. Mulder schaute in den schwarzen Himmel, der kein einziges Sternenlicht hinunter ließ. Plötzlich bewegte sich etwas am Firmament. Ein paar Sterne wurden überschattet und kamen wieder zum Vorschein. Da konnte man etwas nur ungefähr 60 Meter von ihnen entfernt erkennen. Das Ding hatte ein paar Lichter an und bewegte sich langsam von Mulder und Scully weg. Mulder schaute mit weit aufgerissenen Augen und offenen Mund zu dem unbekannten Flugobjekt hoch. Es bewegte sich noch ein paar Sekunden von Mulder und Scully weg und hinterließ dann einen weißen Lichtschweif hinter sich, während es in Lichtgeschwindigkeit verschwunden war. Das Summen war weg und das Flugobjekt mit ihm. Mulder schaute noch immer fassungslos in den schwarzen Himmel. Doch dann merkte er, wie sich Scully in seinen Armen rührte. "Scully?" fragte Mulder leise. Doch sie antwortete ihm nicht. Mulder nahm sie auf die Arme und trug sie zu seinem Mietwagen, den er vor der Kirche geparkt hatte. Als Mulder Scully auf den Beifahrersitz gesetzt, sie angeschnallt und die Tür zugeschlagen hatte, schaute er noch einmal in den Himmel, der so aussah, als ob er jeden Moment auf die Erde fallen würde. Dann sprang er auf die Beifahrerseite, startete den Wagen und fuhr so schnell los, dass die Reifen des Wagens auf dem feuchten Kiesweg quietschten. 25 Jacksonstreet, 9.07 Uhr Kurz vor dem Greyzone Hospital, als Mulder vor einer roten Ampel stand, beugte er sich zu Scully hinüber, um ihren Puls zu fühlen. Der Puls war normal, aber er bemerkte, dass sie Schweißperlen auf ihrer Stirn und unnormal rote Wangen hatte. Besorgt hielt er seine Hand an ihre Stirn und stellte erschrocken fest, dass sie hohes Fieber hatte. Sie hatte auch nicht mehr diese gesunde Gesichtsfarbe, sie sah eher blass und krank aus. Diesmal bemerkte Mulder von selbst, dass die Ampel auf grün umschlug und drückte das Gaspedal tief durch, als er losfuhr. Halten Sie durch, Scully. Wir schaffen das schon, sagte Mulder in Gedanken zu Scully. Als er am Greyzone Hospital angekommen war, hielt er mit einer Vollbremsung direkt vor der Eingangstür, sprang aus dem Wagen, schnallte Scully los und nahm sie vorsichtig auf seine Arme. Ein paar Passanten blieben stehen und schauten gebannt dem jungen, zerzausten und mit Schlamm verschmierten Mann zu, der gerade eine bewusstlose, junge Frau auf seinen Armen in das Krankenhaus brachte. Mulder stürzte in das Krankenhaus und als er im Gang stand, rief er verzweifelt nach einem Arzt. "Hallo! Ich brauche Hilfe! Bitte, helfen Sie mir!" schrie er durch den Gang. Ein paar Schwestern drehten sich zu ihm um, aber die hatten alle selber mit anderen Patienten zu tun. "Verdammt, ist hier denn kein Arzt!!? Diese Frau braucht Hilfe!!" Mulder konnte es nicht fassen. Keiner kam um ihnen zu helfen. Als er gerade in ein Zimmer hereinstürmen wollte, kam ein Arzt den Gang entlang gehetzt. "Hallo! Warten Sie! Ich kann Ihnen helfen!!" rief der junge Mann mit den blonden, kinnlangen Haaren. Mulder drehte sich zu ihm um. Er erkannte ihn wieder. Es war Dr. Jennings. Als Dr. Jennings total außer Atem bei ihnen angekommen war, erkannte er sie auch gleich wieder. "Mr. Mulder... Mrs. Scully!!?" sagte er mit hochgezogenen Augenbrauen. "Helfen Sie ihr!" bat ihn Mulder. "Kommen Sie mit, schnell!" Dr. Jennings lief den Gang wieder zurück und befahl ein paar Schwestern, sofort das Nötige zu holen. Eine Schwester lief kurzerhand in ein Krankenzimmer und holte eine Bahre heraus. Sie rollte sie zu Mulder und bedeutete ihm, dass er seine Partnerin darauf legen sollte. Sanft ließ Mulder Scully auf die Bahre sinken und lief dann der Schwester hinterher, die das Metallgestell mit Scully vor sich her schob. Sie liefen durch einen Gang und durch eine Glastüre, die direkt aufging, als die Schwester sie mit der Bahre anstieß. Eine andere Schwester lief zu ihnen und fragte nach möglichen Medikamenten. Die eine Angestellte sagte der anderen irgendein unverständliches Zeug. Sie liefen durch einen neuen Flur und Mulder fragte sich, ob diese Gänge auch irgendwann mal zu Ende wären. Er wurde beruhigt, als er sah, dass eine Schwester eine Tür direkt vor ihnen aufhielt und Dr. Jennings zu Scully an die Bahre stürmte. Er fühlte ihren Puls und schaute dabei auf seine Uhr. "Puls normal - zwanzig ml Paracetamol, Blutabnahme, Überprüfung des Kreislaufsystems und Antigrippal!" befahl Dr. Jennings den Krankenschwestern, während er Scully in den Raum rollte, sie mit einer Schwester auf ein Bett verlegte und sie untersuchte. "Was ist passiert?" fragte er, während eine Schwerster sie an einen Tropf anschloss und die Dosis an dem Schläuchlein einstellte. "Sie war im Regen auf einem offenen Feld", antwortete Mulder knapp. "Plötzlich ist sie zusammengebrochen." "Das war's?" fragte Dr. Jennings verwundert. "Mrs. Scully hat einen starken Vitaminmangel und hat seit ungefähr zwei Tagen nichts mehr zu sich genommen. Sind Sie sicher, dass Sie mir nichts mehr zu erzählen haben?" fragte er und schaute Mulder dabei eindringlich an. "Ja. Sonst war nichts", entgegnete Mulder. "Na, dann werde ich Ihnen mal glauben." Selbst wenn ich es Ihnen erzählen würde, würden Sie mir immer noch nicht glauben. dachte Mulder. Dr. Jennings wollte gerade wieder gehen, als Mulder ihn fragte: "Was ist denn mit ihr? Was hat sie?" "Das kann ich noch nicht hundertprozentig sagen. Ihr Puls und ihr Herzschlag sind gleichmäßig und der Kreislauf ist auch stabil. Sie bekommen Bescheid, wenn wir mehr wissen", vertröstete Dr. Jennings Mulder. "Es besteht also keine Lebensgefahr?" fragte Mulder unsicher. "Vielleicht wenn sie länger draußen geblieben wäre, aber jetzt nicht", antwortete Dr. Jennings und lächelte Mulder leicht an. "Machen Sie sich keine Sorgen. Es wird alles wieder gut. Gehen Sie nach Hause und ruhen Sie sich aus. Ihre Partnerin wird noch eine Weile schlafen. Kommen Sie Morgen wieder, dann können wir Ihnen mehr sagen." Mulder nickte kaum sichtbar mit dem Kopf, während sich Dr. Jennings sich bei ihm verabschiedete. Als er draußen war und die Tür hinter sich geschlossen hatte, drehte sich Mulder zu Scully um und ging langsam zu ihr ans Bett. Sie atmete langsam und ruhig, aber ihre Wangen waren immer noch rot und Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn. Mulder fühlte sich für sie verantwortlich und empfand Schuldgefühle gegenüber Scully. Als er zu ihr hinunterschaute, tat sie ihm so leid und er fragte sich, warum es verdammt noch mal nicht ihn erwischt hatte. Immer traf es Scully. Warum ausgerechnet immer sie? Während er das dachte, strich er seiner Partnerin zuerst sanft über die Stirn und dann über die Wangen. Kurz bevor er ging sah er sich Scully noch mal an, beugte sich dann zu ihr hinunter und gab ihr einen Kuss auf ihre heiße Stirn. Dann kamen die Schwestern rein und baten ihn zu gehen, da sie ihr jetzt ein Krankenhemd anziehen und Spritzen geben würden. Mulder ging aus dem Zimmer heraus und lief langsam den Gang entlang, den sie eben so hastig entlang gerannt waren. Er bekam alles nur wie in einem Trancezustand mit. Er verließ Krankenhaus, setzte sich in seinen Wagen und fuhr ins Hotel. Als er in seinem Zimmer war, ließ er sich todmüde auf sein Bett fallen und fiel direkt in einen ruhigen und erholsamen Schlaf. 26 20.05.97 Hotel Piper, Zimmer Nr. 277, 10.24 Uhr Piiiiiep... piiiiiiep... Piiiiiep ...piiiiiiep... Mulder schlug langsam seine Augen auf, als er im Unterbewusstsein ein nervtötendes Piepsen vernahm. Als er richtig wach war, bemerkte er erst, dass dieses Klingeln von seinem Handy kam, das er immer noch in seinem Mantel trug. Er setzte sich aufrecht hin und schaute sich suchend nach seinem Mantel um. Piiiiiep... piiiiiiiep... "Wo ist denn dieses verdammte Ding!" fluchte er. Als er aufstehen wollte, registrierte er, dass er noch angezogen war... mitsamt seinem Mantel. Mulder stöhnte über sich selbst, während er in seine Tasche griff und das immer noch nervtötend piepsende Handy herauszog. Er drückte auf einen Knopf und murmelte ins Telefon: "Mulder..." Am anderen Ende der Leitung meldete sich das Greyzone Hospital mit der zierlichen Stimme einer Frau. "Guten Morgen Mr. Mulder. Hier ist das Greyzone Hospital. Dr. Jennings lässt Ihnen ausrichten, dass Sie Mrs. Scully heute Nachmittag besuchen können. Mulder's Gesichtszüge erhellten sich. "Geht es ihr besser?" fragte er hastig. "Mrs. Scully wird wahrscheinlich erst gegen Ende des Tages wach werden, aber sie erholt sich gut." "Danke. Ab wieviel Uhr ist Besuchszeit?" "Sie können ab 14 Uhr kommen." Mulder bedankte sich noch mal bei der Frau, die ihm die Auskunft gegeben hatte, drückte auf einen Knopf und beendete somit das Gespräch. Er schmiss sein Handy auf das Bett und fuhr sich durchs Gesicht. Da bemerkte er, dass er immer noch voll mit Schlamm war und einen leichten Drei-Tage-Bart hatte. Als er gerade aufstehen wollte, um sich zu duschen, fiel ihm die goldene Kette mit dem Kreuz von Scully aus der Manteltasche. Er hob es auf und betrachtete es in seiner Hand. Wenn Scully etwas passiert wäre, hätte er nicht gewusst, wie er das hätte verkraften können. Er legte es auf den Nachttisch neben seinem Bett und stand auf, um sich zu duschen. 27 Greyzone Hospital, 14.00 Uhr Als Mulder im Greyzone Hospital angekommen war, frisch geduscht, rasiert und mit einer roten Rose in seiner Hand, ging er zielstrebig zu Scully's Zimmer. Er ging durch die ganzen Gänge und dachte dabei an den gestrigen Tag, als seine Partnerin hier eingeliefert worden war. Alles lief vor seinem inneren Auge noch mal ab und dabei wurden seine Schritte immer schneller, bis er schließlich an Scully's Zimmer angekommen war. Er öffnete langsam die Tür und schlich hinein. Sie lag allein in diesem Zimmer, war aber immer noch nicht bei Bewusstsein. Mulder ging leise zu ihr ans Bett und legte die Rose auf ihren Nachttisch. Dann setzte er sich zu ihr auf die Bettkante. Scully's Arme lagen auf der weißen, dünnen Decke, die ihr bis an die Brust ging und in ihrem rechten Arm war eine Infusion mit einem weißen Klebeband angebracht, die zu einem Tropf führte, der neben ihr auf einer Metallstange aufgehängt war. Ihr Gesicht lag etwas in Mulder's Richtung und ihre Wangen waren immer noch ziemlich rot. Aber sie hatte ansonsten keine einzige Schramme in ihrem Gesicht und sah unverletzt aus. Sie atmete ruhig und gleichmäßig, aber außer des Hebens und Senkens ihres Brustkorbes zeugte kein Zeichen davon, dass sie lebte. Mulder schaute Scully lange an. Dann streichelte er über ihre Stirn und strich eine rote Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Anschließend nahm er ihre Hand, die kraftlos auf dem Bett lag, in seine beiden und streichelte sie. Andauernd musste Scully alles über sich ergehen lassen. Und trotzdem blieb sie immer bei ihm. Mulder hatte große Schuldgefühle. Er hätte sie besser beschützen sollen. Die Tür ging auf und Dr. Jennings kam herein. Man sah wieder keinen Ansatz von einem Bart und seine blonden, kinnlangen Haare und seine helle Hautfarbe ließen ihn viel jünger aussehen, als er wahrscheinlich war. Er kam leise auf Mulder zu und sagte fast schon flüsternd: "Sie hat eine schwere Lungenentzündung und 39°C Fieber. Sie ist zwar nicht in Lebensgefahr, aber es geht ihr auch nicht besonders gut." Mulder senkte den Kopf und schaute Scully wieder an. "Wird sie heute aufwachen?" "Wir halten es für überflüssig, sie in einen künstlichen Schlaf zu versetzten, wahrscheinlich wird sie heute Abend aufwachen, aber wir können nichts versprechen." Mulder nickte leicht mit dem Kopf. "Sie bekommt fiebersenkende Mittel und jeden Tag eine Spritze, die hilft, die schweren Entzündungen in der Lunge abschwellen zu lassen... Sie wissen, dass Mrs. Scully Krebs hat?" Mulder nickte. "Ja." Dr. Jennings biss sich auf die Innenseite seiner Backe und nickte ebenfalls. "Wir haben noch eine Röntgenaufnahme machen lassen. Das Ergebnis wird uns bald vorliegen..." Plötzlich ging die Tür auf und eine Schwester steckte ihren Kopf herein. "Dr. Jennings", flüsterte sie. "Kommen Sie bitte mal?" Dr. Jennings runzelte die Stirn. "Ist es wichtig?" "Es ist... seltsam, würde ich sagen." Bei dem Wort 'seltsam' ging Dr. Jennings sofort auf die Tür zu. "Ich komme später noch mal wieder, Mr. Mulder", sagte er noch und schloss dann die Tür hinter sich. Nach ca. einer Minute kam er wieder herein. "Mr. Mulder. Kommen Sie mal bitte", bat er mit einer ungewöhnlich verstörten Stimme. Mulder ging vorsichtig von der Bettkante herunter und ging hinaus. Auf dem Gang standen ein paar Schwestern und zwei Ärzte: Dr. Jennings und noch ein anderer, den Mulder nicht kannte. "Nicht zu fassen," murmelte der andere Arzt. Er war ziemlich füllig, was man an dem engen Arzthemd, das in seine Hose gesteckt war, nicht übersehen konnte, hatte einen grau-weißen Bart und eine Halbglatze. Und er war so um die 50 Jahre alt. Also genau das Gegenteil von Dr. Jennings. "Es ist unglaublich," stimmte Dr. Jennings dem anderen Arzt zu. Mulder wusste nicht einmal wovon die alles redeten und meldete sich zu Wort: "Können Sie mir sagen, was so unglaublich ist?" fragte er verwirrt. Dr. Jennings hielt ihm eine Röntgenaufnahme eines Kopfes entgegen. "Schauen Sie sich das an." Mulder nahm das Bild entgegen und studierte es. In der Zeit erklärte ihm Dr. Jennings: "Dies ist eine Röntgenaufnahme des Kopfes von Mrs. Scully. Sehen Sie den rot umrandeten Kreis in der Nähe des Nasenbeins?" Mulder fixierte den Punkt und bejahte die Frage... aber als er den Kreis näher betrachtete durchfuhr ihn ein Schock. "Mr. Mulder. Wissen Sie, was das bedeutet?" Mulder brachte kein Wort heraus. Der andere Arzt erklärte dann erstaunt: "Mr. Mulder. Ihre Partnerin Dana Scully ist vom Krebs geheilt! Ihr Tumor ist ganz und gar verschwunden!" Mulder schaute sich das Röntgenbild noch mal eindringlichst an - nichts war im Kreis zu erkennen. Der Tumor war einfach verschwunden. "Sind Sie sich auch ganz sicher?" fragte Mulder und schaute die beiden Ärzte ungläubig an. Dr. Jennings fing an zu lächeln. "Vollkommen. Es besteht kein Zweifel." "Aber... wie ist das passiert? Was war der Anlass?" stotterte Mulder verwirrt. Dr. Jennings hob die Schultern und ließ sie erst nach ein paar Sekunden wieder runter. "Keine Ahnung. Dr. Birnbaum und ich haben auch gerade erst das Röntgenbild bekommen. Wir sind völlig ratlos. Es muss ein Wunder gewesen sein." Mulder gab das Bild zurück und nickte leicht mit dem Kopf. "Ja. Ein Wunder. Das muss es gewesen sein." Dann ging er wieder in Scully's Zimmer. Dr. Jennings wollte Mulder gerade noch ein paar Fragen stellen, aber Dr. Birnbaum hielt ihn zurück. "Lassen Sie ihn. Er muss das alles erstmal verdauen." 28 Zimmer Nr. 59, 15.02 Uhr Mulder setzte sich wieder auf Scully's Bettkante. Wieder schaute er sie lange an. Hat ihre Entführung etwas damit zu tun gehabt, dass ihr Krebs so einfach verschwunden ist? Haben SIE Scully geheilt? Mulder wusste nicht, was in der Zeit, in der Scully entführt worden war, passiert ist, aber er wusste, dass der Krebs nicht von allein verschwunden war. Er war sich fast schon sicher, dass dieses Licht eine große Rolle dabei spielte. Aber warum hatte dieses Licht Menschen umgebracht und woher stammt dieses UFO, dass er am Himmel gesehen hatte, als er Scully auf dem Feld gefunden hatte? Es gab so viele Fragen, nur die Antworten fehlten. Mulder schaute durch das Fenster in den verregneten Himmel. Plötzlich bemerkte er aus dem Blickwinkel, dass Scully sich kurz bewegte. Ruckartig schaute er in ihre Richtung. "Scully?" fragte er sanft. Er stand von ihrem Bett auf und ging zu ihrem Kopfende. Scully rührte sich jetzt nicht mehr. "Scully?" fragte er erneut und strich ihr sanft über ihre fiebrig rote Wange. Dann regten sich ihre Augenlider und langsam schlug sie ihre Augen auf. Ein Lächeln kam über Mulder's Lippen. Scully blinzelte geschwächt und drehte ihren Kopf zu Mulder. Sie schluckte schwer. Sie wollte gerade anfangen, etwas zu sagen, doch Mulder legte seine Finger leicht auf ihre Lippen. "Sprechen Sie jetzt nicht. Sie haben eine sehr schwere Lungenentzündung und hohes Fieber." Scully verstand. Mulder nahm seine Finger wieder von ihren Lippen und lächelte sie an. "Sie haben mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt." Scully versuchte zu lächeln, aber sie hustete nur. "Ich habe was für Sie", sagte Mulder lächelnd und griff in seine Manteltasche. Als er seine Hand wieder hervorzog, hatte er Scully's goldene Kette mit dem Kreuz in der Hand. "Das haben Sie vergessen", sagte er sanft und hing es ihr vorsichtig um den Hals. Scully schluckte noch mal schwer und lächelte schwach. Dann hob sie ihre Hand an deren Rücken eine Kanüle mit einem weißen Klebeband angebracht war, ein Stück hoch. Als Mulder ihre Hand sah, nahm er sie in beide Hände und er konnte spüren, wie Scully sie fest hielt. Scully biss sich leicht auf die Lippen, ihre Augen füllten sich mit Tränen. Als Mulder sah, dass Scully den Tränen nahe war, tröstete er sie, indem er ihre Hand beruhigend streichelte. "Es wird alles wieder gut, Scully. Vertrauen Sie mir." Bei diesen Worten rollten ihr zwei Tränen über die Wangen. Mulder wischte sie mit der Hand weg und lächelte sie tröstend an. "Schlafen Sie noch was. Dann kann sich Ihr Körper besser erholen", sagte er mit sanfter Stimme. Scully schluckte ihre Tränen herunter und schloss erschöpft ihre Augen. Mulder strich ihr noch ein paar Mal über ihre heisse Stirn, bis er merkte, wie sich Scully's Griff an seiner Hand lockerte und sie schließlich ganz los ließ; sie war wieder eingeschlafen. Als er merkte, dass Scully schlief, zog er vorsichtig seine Hand unter ihrer weg und ging ein Stück von ihrem Bett weg. Er hielt seine Hände an sein Gesicht und atmete tief aus. Er hoffte, dass alles wieder gut sein würde. Plötzlich kam eine Schwester herein, lächelte Mulder an und ging mit einem Tablett in der Hand auf Scully zu. Sie stellte das Tablett auf dem Krankentisch neben dem Bett ab, prüfte den Tropf und fühlte Scully's Stirn. Sie legte ihr ein Blutdruckmesser um den Arm und pumpte ihn auf. Nachdem sie ein paar Mal gedrückt hatte, säuberte sie ein Stück von der Armbeuge, stach die ziemlich dicke Nadel hinein und zog an dem Ende der Spritze. Der Tank füllte sich langsam mit leuchtend rotem Blut. Als der Tank mehr als die Hälfte voll war, zog die Schwester die Nadel wieder aus Scully's Arm, legte ein kleines, weißes Verbandsstückchen auf die Einstichstelle und klebte kurz danach ein Pflaster drüber. Sie nahm das Blutdruckmessgerät von ihrem Arm und legte ihn auf das Tablett zu den anderen Sachen. Dann brachte sie eine Spritze und ein kleines Glasgefäß zum Vorschein, steckte die Nadelspitze in den Behälter und füllte die Spritze mit einem wässrigem Medikament. Sie stellte das Gläschen wieder auf das Tablett und desinfizierte nochmals ein Stück von Scully's Armbeuge. Die Schwester ließ ein bisschen des Medikaments, das in der Spritze war, herausspritzen, damit keine Luft in die Vene kam, setzte an Scully's Arm an und... stach die Nadel hinein. Mulder zuckte etwas zusammen, als er die Nadel in die Haut eindringen sah. Als die Medizin in ihren Arm injiziert war, legte die Schwester die Spritze weg, nahm das Tablett mit den ganzen Sachen darauf und verließ den Raum. Als sie gerade die Tür öffnen wollte, kam Dr. Jennings ihr entgegen. "Huch! Haben Sie mich erschreckt", stöhnte die Schwester, die ihre Hand erschrocken an ihre Wange hielt. "Tut mir leid, Schwester Sabina", entschuldigte sich Dr. Jennings bei ihr und ging auch schon auf Mulder zu. "War sie schon wach?" fragte er. Mulder nickte. "Aber nur kurz." Dr. Jennings nickte ebenfalls. Dann ging er auf Scully zu und fühlte ihren Puls, während er auf seine Uhr schaute. Dann tastete er Scully's Hals ab und fühlte ihre Stirn. "Sie hat zwar noch immer eine starke Lungenentzündung und ihr Fieber ist nur wenig gesunken, aber ihr Puls ist stabil und ihr Kreislauf normal. Ich schätze, sie wird in höchstens zwei Wochen wieder fit sein." Mulder war froh, das zu hören. Während Dr. Jennings Scully untersuchte, verabschiedete sich Mulder und ging aus dem Zimmer. Er konnte jetzt sowieso nichts für Scully tun. Er ging schnellen Schrittes die langen Gänge bis zum Ausgang zurück; die Hände in seine Manteltaschen gesteckt und den Kopf ein wenig gesenkt. Als er den Ausgang erreicht hatte, ging er aus der Tür und ließ sich mit dem Rücken gegen die Mauer des Krankenhauses fallen. Er atmete tief ein und stieß die Luft scharf wieder aus. Dann ging er schnell vor dem diesigen Wetter fliehend auf seinen Wagen zu und stieg ein. Die Reifen quietschten und der blau-metallic farbene BMW sauste von dem Parkplatz des Greyzone Hospitals weg, auf die Hauptstraße. 29 Gracestreet, 16.07 Uhr Er fuhr zu Calvin Klainsteen. Als er dort angekommen war, klingelte er an der Tür - wieder öffnete keiner. Mulder hatte eine böse Vorahnung. Er versuchte die Tür zu öffnen, aber sie war verschlossen. "Calvin? Hier ist Agent Mulder! Machen Sie bitte auf!" rief er. Nach ein paar Sekunden hörte Mann das Schloss knacken und die Tür ging auf. "Mr. Mulder! Sie sind's!" freute sich Calvin. "Kommen Sie rein." Mulder ging hinein und ging auf das Wohnzimmer zu, wo er sich auch direkt hinsetzte. Ein paar Sekunden später kam auch Calvin und wollte Mulder etwas anbieten. "Nein Danke, heute nicht", bedankte sich Mulder. "Wie geht es Ihrer Wunde?" erkundigte sich Calvin. "Ach, nicht der Rede Wert", winkte Mulder ab. Als Calvin sich auf den Sessel setzte, schaute er Mulder betroffen an. "Haben Sie Ihre Partnerin gefunden?" fragte er vorsichtig. Mulder ging sich durch seine Haare und faltete im gleichen Zug die Hände. Calvin dachte, verstanden zu haben und lehnte sich in den Sessel zurück. "Ja." Calvin blickte verwirrt auf. "Sie haben sie gefunden? Das ist ja wundervoll!" lächelte er und klatschte vor Begeisterung in die Hände. Mulder wollte nicht weiter in Einzelheiten gehen und kam zum Punkt. "Calvin. Ihre Frau und Ihre Freunde; haben sie irgendwas gemeinsam? Ich meine hobbymäßig, oder die Arbeit." Calvin war über diese Frage überrascht, ließ sich aber nichts anmerken. Er runzelte die Stirn. "Wenn ich so darüber nachdenke... Einen Moment! Ja..." Seine Erinnerungen kamen langsam wieder zurück. "Ja, genau. Sie haben alle früher einmal in einem Militärlager gearbeitet. Daher kannte Clara sie auch." "In einem Militärlager..." Mulder fieberte nach einer Antwort... und nach einer Frage. "Wissen Sie noch was das für ein Militärlager war?" Calvin senkte den Kopf. "Tut mir leid, aber das darf ich Ihnen nicht sagen. Clara hat es mir damals ausdrücklich verboten. 'Top Secret'." "Calvin!!! Sie müssen mir sagen, was das für ein Militärlager war. Es geht um Menschenleben. Und um die Aufklärung des Todes Ihrer Frau und Ihrer Freunde. Bitte Calvin!" Calvin trat unruhig von einem Fuß auf den anderen. "Area 51", verriet er knapp. "Area 51?" echote Mulder verwundert. "Habe ich Ihnen doch gerade gesagt." Mulder zog sein Handy und wählte die Nummer dreier Männer, die ihm öfter schon weitergeholfen haben. Den Lone Gunmen. Es klingelte ein paar mal. "Komm' schon", murmelte Mulder. "Ja, was willst du, Mulder?" kam eine ältere Männerstimme durch das Telefon. "Frohike, keine Zeit für Spielereien. Setz' dich mal an dein Notebook", befahl Mulder. "Hey, hey, hey. Immer mit der Ruhe, Mulder", versuchte ihn Frohike zu besänftigen. "Frohike!!!" "Ist schon gut, er ist an. Und jetzt?" "Kannst du die Namen derjenigen herauskriegen, die vor..." Mulder wendete sich zu Calvin. "Vor wieviel Jahren?" "Äh... Vierzehn." "...vierzehn Jahren bei Area 51 gearbeitet haben?" Ein kurze Stille. "Frohike? Bist du noch dran?" " Area 51??? Mulder... weißt du eigentlich wie schwer das ist? Ach, Quatsch. Das ist so gut wie unmöglich! Demnächst soll ich wohl versuchen die Telefonnummer von E.T.'s Zuhause herauszufinden!? "Du schaffst das schon, Frohike. Ruf' mich an." Klick! Tuut, tuut, tuut... "Mulder? Mulder?! Mann, dieser Kerl raubt mir noch den letzten Nerv! Aber der liebe Frohike macht das ja schon alles. Der liebe Frohike ist immer da, wenn ihn jemand braucht:" "Beruhige dich, Frohike. Wir wissen doch, dass Mulder so ist... Aber er ist doch eigentlich ein netter Kerl, oder?" besänftigte ihn Langly. Langly war auch einer der Lone Gunmen. Er hatte blonde, schulterlange, strähnige Haare und an seiner Stirn bahnte sich langsam eine leichte Halbglatze an. Sein Gesicht hatte weiche Züge und seine dicke Brille mit schwarzer Umrandung ließ ihn nicht viel eleganter aussehen. Meist hatte er eine alte Jeans und ein T-Shirt mit irgendeinem Namen einer Heavy-Metal Gruppe drauf. Frohike war die komödiastische Seite der Lone Gunmen. Aber wenn man ihn mit etwas vergleichen würde, würden ein paar ausgelatschte Turnschuhe zutreffen. "Mhh", stöhnte Frohike, der schon wieder darin vertieft war, die Namen, die Mulder wissen wollte, herauszufinden. Frohike war das genaue Gegenteil von Langly. Er war ziemlich stämmig, klein, hatte ein rundes Gesicht, trug eine alte, normale Brille und immer einen Drei-Tage-Bart. Er hatte eine Halbglatze und schwarzgraue Haare, die er zu einem kleinen Zopf zusammengebunden hatte. Seine Halbglatze verdeckte er, nicht absichtlich, mit einem alten Hut und sein Geschmack für Kleidung ließ wirklich zu wünschen übrig. Um alledem noch das Sahnehäubchen aufzusetzen, trug er fingerfreie, lilafarbene Handschuhe. Im Großen und Ganzen sah er aus wie ein Penner, der gerade aus einer Gosse entsprungen war. "Genau. Und schließlich muss er deine Launen ja auch ertragen", verstärkte ein gutgekleideter Mann Langly's Aussage; es war Byers - der letzte der Gruppe der Lone Gunmen. Frohike drehte sich von seinem Stuhl zu Byers um. "Danke, Byers. Wenn ich mal jemanden zum Prügeln brauche, komme ich auf dich zurück." Darauf sagte Byers nichts mehr und Frohike widmete seine Aufmerksamkeit wieder seinem Notebook, wo in großer Aufschrift stand: WRONG PASSWORT. Frohike ließ sich keine Ungeduld anmerken und versuchte es weiter. Byers schaute zu Langly, der ihn mit einem breiten, schadenfrohen Lächeln anschaute, so dass man seine auffallend weißen Zähne sehen konnte. Byers schnitt eine Fratze in Langly's Richtung und dieser schnitt eine noch grässlichere zurück. Byers war ganz anders, als die restlichen zwei von den Lone Gunmen. Er kam immer korrekt in Schlips und Anzug... und in glänzenden Schuhen, die so sauber waren, dass man sich schon fast darin spiegeln konnte. Seine haselnussbraunen Haare waren immer ordentlich gekämmt und sein Bart war nicht zu lang und nicht zu kurz. Eigentlich war er ein zurückhaltender Typ, aber sein Charakter wurde von Langly und Frohike Tag für Tag neu geschliffen. Alle zusammen waren sie ein "Trio von paranoiden Verrückten" wie es Scully zu sagen pflegte, die schon öfter Frohike's seltsame Anmachen ertragen musste. Als Mulder aufgelegt hatte und sein Handy wieder in seiner Manteltasche war, wendete er sich zu Calvin. "Wieviel Personen sind mit Ihrer Frau damals umgekommen?" Calvin war sichtlich niedergeschlagen. "Zwei. Brain und Richard." Mulder nickte mitfühlend. "Calvin, waren Sie früher auch in Area 51 tätig?" Calvin hielt abwehrend seine Hände vor sich. "Ich? Nein, nein! Ich war noch nie in einem Militärlager." Mulder war erleichtert. "Ich muss jetzt wieder gehen. Bis bald, Calvin." "Ja", murmelte Calvin. Er saß auf dem Sessel, die Hände gefaltet und die Schultern nach vorne gebeugt; den Blick gesenkt. Mulder tat es leid, dass er so viele Fragen über seine tote Frau stellen musste. Und jetzt musste Calvin sogar ein Geheimnis preisgeben, was seine Frau ihm vor langer Zeit anvertraut hatte. Mulder ging aus dem Wohnzimmer und schaute noch einmal über die Schulter zu Calvin. Er saß immer noch ziemlich deprimiert da und starrte seine gefalteten Hände an. Dann verließ er das Haus, setzte sich in den Mietwagen und fuhr Richtung Wald. 30 Waldweg vor der kleinen Kirche, 17.59 Uhr Als Mulder am Wald angekommen war, hatte er ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Er musste nachschauen, ob man den toten Priester schon gefunden hatte, oder ob er immer noch an einem Strick in der Eingangstür hing. Nach ein paar Minuten war er an der kleinen Kirche angekommen und parkte auf dem harten Kies, so dass die Reifen knarrende Geräusche von sich gaben. Die Sonne kam ein kleines bisschen durch die dicke Wolkendecke hindurch. Doch das nützte nichts, da es nicht mehr lange dauern würde, bis die Dämmerung einbrechen würde. Die Luft war immer noch feucht und schwül, so dass man sich wie im Tropenwald vorkam. Mulder stieg aus dem Wagen aus, blinzelte in das bisschen Sonne und schaute auf das Feld hinaus. Vor seinem geistigen Auge tauchte wieder dieses unbekannte Flugobjekt auf und der Schweif, den es hinter sich herzog, als es verschwand. Er überlegte, ob sich der Priester umgebracht hatte, weil er wieder ein UFO gesehen hatte, oder vielleicht sogar... Mitten in seinen Gedanken vertieft, wurde er von der Sirene, die nur einmal kurz aufheulte, wieder in die Realität zurückgeholt. Er wirbelte in die Richtung, aus der das schrille Geräusch herkam und sah ein Polizeiauto, das kurz vor seinem Wagen stehen blieb. Ein muskulöser schwarzer Mann mit einem dicken, schwarzen Schnurrbart einer Uniform und einem Sheriff-Hut stieg aus dem Wagen. Das wird der Sheriff von New Haven sein. Der kommt wie gerufen. Als er auf Mulder zu ging, drehte sich die rote Sirene auf dem Dach des Wagens immer noch stumm und versuchte vergebens aufzuheulen. Der Sheriff knallte die Wagentür zu, als wäre sie ein Feind, den man aus dem Weg räumen muss. Er machte eine Geste, die zeigte, dass er Mulder ansprach. "Hey Sie!" rief er mit einer auffallend dunklen Stimme. Als er bei Mulder angekommen war, stemmte er seine Arme in die Hüften und fragte mit übertriebener Stimme. "Na, was wollen wir denn hier? Ausschau nach kleinen Kindern halten, die hier auf dem Feld herumspielen? Oder wollten wir vielleicht sogar in die Kirche, um zu... beichten?" Er schaute Mulder mit einem herablassenden Blick an. "Ich? Oh, nein", sagte Mulder leicht amüsiert über die Verwechslung. Der Mann verdrehte seine Augen. "Ja, ja. Das sagen alle. 'Ich? Oh, nein, so etwas würde ich nie tun. Ich mag Kinder.'... Aber nach ein paar Tagen findet man wieder ein kleines Mädchen, abgelegen in einem Waldstück. Also bitte. Wie heißen Sie Freundchen?" Der Mann holte einen Notizblock und eine Kugelschreiber heraus und machte Anstalten zu schreiben. "Können Sie sich bitte Ausweisen? Ich hab' nicht den ganzen Tag Zeit." Mulder fand das Verhalten von dem Sheriff übertrieben, aber er war ein Mann des Gesetzes. "Also dann..." fing Mulder an. Er griff in die Innentasche seines Jacketts, doch seine Bewegung wurde kurzerhand unterbrochen. "Halt, halt, halt!" rief der Sheriff und zog vorsichtshalber seine Waffe - eine Smith and Wesson 1056. Die erkannte Mulder, weil er selber so eine trug. Mulder war schlau genug, um zu wissen, dass er mit einem Mann, der mindestens zwei Meter groß war, keinen Streit anfangen sollte. Er hob die Hände. "Sehr gut. Sie haben anscheinend schon Erfahrung in sowas, he?" fragte der Sheriff allwissend. "Aber hören Sie, ich bin kein..." "Sie halten jetzt mal schön die Klappe. Legen Sie Ihren Mantel ein Stück zurück", befahl er. Mulder gehorchte. Er fand, dass die ganze Show, die der Sheriff hier abzog etwas übertrieben war. Noch nicht mal in Washington gingen sie so mit den einzelnen Menschen um, die einfach nur da standen. "Aha. Woher haben Sie denn die Waffe?" fragte der Sheriff ironisch und zog die Pistole aus Mulder's Waffenhalter. "Und was haben wir denn hier?" Der Sheriff griff in Mulder's Innentasche und holte seinen FBI-Ausweis heraus. "Wohl ein gefälschter Pass, hm?" Er zog die Augenbrauen hoch und schnalzte mit der Zunge. "Na, dann wollen wir mal sehen, wie wir heißen. Vielleicht Walter... oder Alvin?" Der Sheriff steckte die Waffe wieder in seinen Waffenhalter und klappte Mulder's Ausweis auf. Seine Augen weiteten sich, als er sich den Ausweis ansah. "Oh. Sch... Oh, das tut mir wirklich leid... Agent Mulder. Ich wusste nicht, dass Sie vom FBI sind. Sie sehen nicht so aus, wie ein Agent", entschuldigte sich der Sheriff beschämt. Mulder verdrehte die Augen. Wie oft hatte er sich jetzt schon anhören müssen, dass er nicht so aussieht wie ein FBI Agent. "Schon gut. Kann ich jetzt meine Hände wieder herunter lassen?" fragte er ironisch. "Ja sicher... Das tut mir ehrlich leid." Mulder winkte ab und sagte, "Schon vergessen, das kann ja jedem mal passieren." Während er sich seinen Ausweis und seine Pistole wieder einsteckte, streckte der Sheriff seine Hand aus. "Ich bin Sheriff Hansom Gregory", stellte er sich, diesmal mit einem Lächeln auf den Lippen, vor. Als Mulder seine Pistole wieder eingesteckt hatte, streckte er seine Hand ebenfalls aus und schüttelte die von Sheriff Gregory. Als sie sich wieder von einander gelöst hatten, schaute Mulder zu der kleinen Kirche. "Sagen Sie, was machen Sie denn hier, wenn sie nicht nach Kindern Ausschau halten", witzelte Sheriff Gregory. "Ich habe gestern in der Kirche den Priester erhängt aufgefunden, jetzt wollte ich nachsehen, ob er noch da hängt." "Warum haben Sie das denn nicht der örtlichen Polizei gemeldet?" fragte Sheriff Gregory verwundert. "Ich hebe meine Partnerin ins Hospital gebracht. Sie ist vor ein paar Tagen entführt worden und gestern wieder aufgetaucht." "Entführt? Von wem?" Mulder schaute in den dämmrigen Himmel. "Wenn ich das wüsste..." 31 19.35 Uhr Als Mulder und Sheriff Gregory auf die Kirche zu gingen, war die Sonne nur noch ein kleiner roter Streifen am Horizont und es fing an, kühler zu werden. Genau zum richtigen Zeitpunkt fängt es an dunkel zu werden. Das war klar, dachte Sheriff Gregory fröstelnd. Sie standen vor der Eingangstür und jeder wartete darauf, dass der andere die Tür aufmacht. Dann griff Mulder nach der Türklinke und drückte sie herunter. Die Klinke quietschte und knarrte, weil Mulder sie nur langsam herunter drückte. Als die Tür endlich ein Schlitz offen war, schaute Mulder hinein - Nichts. Alles war dunkel und man konnte nichts erkennen. "Und?" fragte der Sheriff. Mulder drückte als Antwort die Tür so weit auf, dass sie beide hineingehen konnten. Sheriff Gregory schluckte etwas ängstlich. Er war ein harter Mensch, der sich vor kaum etwas fürchtete. Doch zu kaum gehörte eine ganz bestimmte Sache. Die Toten. Er hatte große Ehrfurcht vor den Toten und wollte am liebsten nicht mal von ihnen hören. Wenn er tote Menschen entdeckte und sie melden musste, war das okay, aber mehr wollte er auch nicht mit ihnen zu tun haben. Die Kirche war dunkel, die Kerzen waren erloschen und es gab kein elektrisches Licht in diesem Haus. Mulder konnte seine eigenen Hände schlecht sehen und war praktisch auf seine Sinne angewiesen. "Gibt es hier denn kein Licht, verdammt", flüsterte Sheriff Gregory. Er wusste selber nicht, warum er flüsterte, aber er wollte auf keinen Fall laut sprechen. Mulder schien der gleichen Ansicht zu sein und flüsterte: "Haben Sie kein Feuerzeug oder sowas dabei?" Der Sheriff kramte in seinen Taschen. "Fehlanzeige", antwortete er leise zurück. Die Stille in der Kirche war beunruhigend. Man konnte nur ab und zu einen kleinen Windstoß, der gegen die bunten Fenstern rappeln hören, aber sonst war alles totenstill. Piiiiep... piiiiep... Mulder und Sheriff Gregory schreckten auf, Mulder stolperte über einen kleinen Hocker und der Sheriff fiel beinahe über ihn, kriegte aber, zu seinem eigenen Erstaunen ein von der Decke herabhängendes Seil zu fassen und hielt sich daran fest, während er einen Schrei losließ, der in der ganzen Kirche widerhallte. Mulder's Herz pochte noch ein paar Sekunden später wie ein Presslufthammer in seiner Brust und sein Atem war unkontrolliert und wild. Piiiiep... piiiiep... "Mann", keuchte Sheriff Gregory. "Das war ein Schock fürs Leben." "Ja," gab Mulder ihm recht und suchte seine Tasche am Jackett; was im Dunkeln nicht sehr einfach war. Als er die Tasche gefunden hatte, holte er sein Handy heraus. Piiiiep... piiiiep... "Ja, ja", sagte er, als ob er es damit beruhigen könnte. Er suchte hektisch am Ende des Handy's die Antenne, die er rausziehen musste, fand sie aber nicht. Piiiiep... piiiiep... "Ach verdammt! Wo ist denn dieses Ding!?" fluchte Mulder, während er das andere Ende absuchte. Gefunden. "Endlich", sagte er erleichtert und zog die Antenne heraus. "Mulder?" meldete er sich. Nach ein paar verwunderten Sekunden bemerkte er, dass er die Rückseite ansprach. Er drehte sie um und wiederholte: "Mulder?" "Mulder, was hat das denn so lange gedauert. Warst du auf dem Klo, oder was?" fragte eine rauhe Stimme. Mulder atmete tief aus und griff sich ins Haar. "Frohike. Du bist es." "Ja, wer denn sonst. Aber ich kann auch wieder auflegen..." "Nein! Also, was hast du rausgefunden?" "Also, ich habe die Namen." "Und wie lauten sie?" fragte Mulder ungeduldig. "Vielen Dank, Frohike. Das war wirklich nett von dir, dass du dich zweieinhalb Stunden um die Namen bemüht hast..." "Ja. Danke, Frohike. Also los, wie heißen sie?" "Na toll. Ich arbeite zweieinhalb Stunden um die Namen von den Leuten heraus zu finden, die vor Jahren bei Area 51 gearbeitet haben und ich bekomme nur ein flüchtiges 'Danke'", beschwerte sich Frohike. "Frohike! Los jetzt!" "Also. Es kommen nur sechs Personen in Frage: Melissa Harder, Gary Brown, Richard Darcey, Brian Carlson, Carla O' Sullivan und äh... David Houser." Mulder's Atem blieb für einen Moment stehen. "Das sind die Personen, die von dem Licht getötet worden sind", sagte er dann. "...Was für ein Licht?" meldete sich Sheriff Gregory, der sich immer noch an dem Seil festhielt, zu Wort. Doch er bekam keine Antwort. "Halt! Wie hieß der letzte, den du erwähnt hattest?" "Äh... David Houser", wiederholte Frohike. Mulder's Gehirn setzte alles zusammen und kam dann zu einem Standpunkt. "David Houser! Er wird der nächste sein!" verkündete er. "Bitte, was?" fragte Frohike verwirrt. "Hast du die Adresse von diesem David Houser?" Frohike kniff die Augen zusammen und schaute angestrengt auf den Bildschirm. "Ja. Lex-Harderstreet 15, in der Fourth Avenue. Mulder hatte ein sehr gutes Gedächtnis und prägte sich die Adresse gut ein. "Frohike, ich muss jetzt auflegen." "Mulder! Mulder?" Klick! Tuut, tuut, tuut... "Er hat schon wieder aufgelegt!" "Also du müsstest doch langsam wissen, dass er das immer macht, wenn er etwas oder jemanden auf die Spur gekommen ist", beruhigte ihn Langly. "Ich hasse aber, wenn er das tut", zischte Frohike. Langly und Byers grinsten ihn breit an. "Sheriff Gregory, haben Sie wirklich kein Feuerzeug?" fragte Mulder noch mal. Der Sheriff ließ das Seil los und wühlte noch mal in seinen Taschen. "Ha!" rief er. "Ich habe doch eins gefunden!" Er hielt es triumphierend hoch, was aber niemand, noch nicht mal er selbst sehen konnte. Dann entzündete er es. Über ihm baumelte ein Seil hin und her und direkt neben ihm saß Mulder auf dem Boden. "Die Leiche ist weg", stellte Mulder fest, als er das schwankende Seil mit der Schlinge an dessen Ende sah. Erschrocken wich Sheriff Gregory von dem Seil zurück. "Hing da etwa die Leiche dran?" fragte er mit demselben angewiderten Gesichtsausdruck, den die meisten Frauen im Gesicht haben, wenn sie eine Spinne sehen. Mulder hatte sich auch schon wieder aufgerappelt und schaute auf das Seil, das sich jetzt nur noch leicht bewegte. Die Flamme des Feuerzeugs flackerte durch Sheriff Gregory's Atem und zeichnete unheimliche Schatten an den Wänden ab. "Lassen Sie uns wieder gehen. Hier gibt's nichts mehr zu machen", schlug Mulder vor und war schon an der Tür, bevor der Sheriff irgend etwas einwenden konnte. Als sie wieder draußen waren, war die Sonne schon ganz untergegangen, nur die Wolken hatten noch einen leichten rötlich-lilafarbenen Schimmer. "Ich muss wieder los. Bis dann", verabschiedete sich Mulder bei Sheriff Gregory. "Aber was ist mit der verschwundenen Leiche?" Mulder öffnete die Wagentür und bevor er einstieg, schaute er noch mal zu Sheriff Gregory zurück. "Die ist jetzt nicht so wichtig. Es geht um das Leben eines lebendigen Menschen!" Dann schlug er die Wagentür zu und ließ den verwirrten Sheriff an der Kirche stehen. 32 Lex-Harderstreet, 22.00 Uhr Mulder fuhr schnell zu der Adresse, die ihm Frohike gegeben hatte. Lex-Redheartstreet. Hier ist es. Hoffentlich bin ich nicht zu spät. Er bog in die Straße ein und suchte die Hausnummer 15. Sieben, neun, elf... fünfzehn! Na also. Es waren Reihenhäuser, die so dicht aneinander standen, dass sie fast schon Wand an Wand wohnten. Er rammte beinahe einen Mercedes, als er parken wollte, schaffte es aber dann doch, den Wagen normal abzustellen. Er stürmte aus dem Wagen und klingelte Sturm bei den Housers. Keiner machte auf. Nein! Bitte nicht! Nicht auch noch der letzte. flehte Mulder in Gedanken. Er versuchte die Tür zu öffnen, aber sie war verschlossen. Er griff in seine Manteltasche und holte eine Nadel hervor. Er hatte immer eine Nadel mit. Man weiß ja nie... Er hatte als Kind gelernt, wie man Türschlösser mit einer Nadel knackt. Jetzt war ein guter Zeitpunkt sein Erlerntes wieder aufzufrischen. Er hantierte mit der Nadel in dem Schloss herum und hörte, wann es knackte. Ich muss aussehen wie ein Schwerverbrecher, der gerade auf Beutefang ist. dachte Mulder, während er sich an dem Schloss zu schaffen machte. "Was machen Sie denn da?" Mulder zuckte zusammen. Er ließ die Nadel im Schloss stecken und stellte sich gerade hin. "Bitte?" fragte er scheinheilig. "Ich habe Sie gefragt, was Sie da machen", wiederholte sich eine Frau, die schon etwas über 50 war und der man das deutlich ansah. Sie hatte rosa Lockenwickler in den Haaren und eine babyblaue Schürze umgebunden. Eine typische Tratschtante. dachte Mulder, als er die Frau auf der Treppe am Haus neben ihm stehen sah. "Ich bin vom FBI und muss diese Wohnung überprüfen." Er ließ seinen Ausweis aufblitzen und schaute die Frau erwartungsvoll an. "Vom FBI? Sagen Sie, was ist denn passiert?" Hab ich's mir doch gedacht. Eine Tratschtante mit Haut und Haaren. "Wissen Sie, wo die Housers sind?" fragte er. "Die Housers? Sie meinen wohl Mister Houser. Er wohnt allein hier." "Wissen Sie, wo Mr. Houser jetzt ist?" "Also, wenn er nicht in seinem Haus ist, dann weiß ich nicht, wo er sonst sein könnte. Er lebt sehr zurückgezogen, wissen Sie. Einmal, da hat er sogar..." "Äh, entschuldigen Sie, aber ich muss in dieses Haus", unterbrach Mulder die Frau, die gerade wieder eine heiße Story über Mr. Houser erzählen wollte. Sie schaute Mulder verblüfft an. Das war ihr ja noch nie passiert, dass jemand ihre Anekdoten aus dem Leben anderer nicht hören wollte. "Ach, so. Ja... Warten Sie, ich glaube, er hat einen Zweitschlüssel. Er versteckt ihn unter dem Blumentopf dort an seinem Fenster." Sie zeigte auf den kleinen Blumentopf auf dem Fensterbrett rechts neben Mulder. "Woher wissen Sie das nur?" murmelte Mulder, als er unter den Blumentopf griff. "Bitte?" fragte die Frau mit einer neugierig krächzenden Stimme. "Nichts, schon gut... ah, ja. Ich habe den Schlüssel. Vielen Dank." "Kann ich Ihnen sonst noch helfen?" fragte die Frau auf einmal sehr freundlich. "Nein. Gehen Sie wieder in Ihr Haus." "Ist ja gut. Nicht gleich so unfreundlich", brummte die Frau und schloss die Tür wieder hinter sich. Mulder riss die verbogene Nadel wieder aus dem Schloss heraus, steckte den Schlüssel hinein und öffnete die Tür. Die Wohnung war dunkel. Wie konnte es auch anders sein... dachte Mulder. "Mr.. Houser? Ich bin vom FBI. Bitte melden Sie sich! Mr. Houser?" rief Mulder durch das Haus - keine Antwort. Er suchte an der Wand nach dem Lichtschalter und fand ihn nach ein paar Sekunden direkt neben der Tür. Er kniff die Augen zusammen und stöhnte kurz, als das helle Licht seine Augen blendete. Nach ein paar Sekunden hatten sich seine Augen aber an das Licht gewöhnt und er konnte wieder sehen. Vor ihm lag ein Flur, an dessen Ende die Tür zum Wohnzimmer offen stand. Man konnte den Fernseher laufen hören. "Mr. Houser! Bitte melden Sie sich!" Mulder zog seine Waffe und schlich durch den Gang. "Mr. Houser? Mr. Houser?" Wieder bekam er keine Antwort. Er stellte sich vor den Türrahmen der ersten Tür und hielt die Waffe direkt neben sein Gesicht. Dann stellte er sich mit einem Satz in den Türrahmen und hielt die Waffe auf ein unbestimmtes Ziel. Er tastete die Wand im Innern des Raumes ab und fand schnell einen Lichtschalter. Das Licht durchflutete den Raum und man sah jetzt, dass es die Küche war. Sie war nicht besonders groß und da sich niemand dort versteckt hatte, ging Mulder wieder raus. Er hielt seine Waffe immer noch schussbereit und ging leise auf das Wohnzimmer zu. Er stellte sich wie zuvor vor den Türrahmen und sprang mit einem Satz in den Raum. Wieder konnte er niemanden sehen. Mulder ging mit ausgestreckter Waffe durch das Zimmer. "Mr. Houser?" rief er noch einmal. Dann ging er auf den Fernseher zu, wo gerade MTV lief und einer dieser geschmacklosen Heavy Metall Gruppen etwas vortrugen, was sie "Musik" nannten. Mulder teilte diese Meinung nicht. Er wollte den Fernseher gerade ausschalten, als er an dem Sessel, der direkt vor ihm stand, vorbei ging. Er schreckte zurück, als er in den Sessel schaute. David Houser lag leblos da. Sein Gesicht schmerzverzerrt und vom Schrecken gezeichnet. Seine Hände waren verkrampft und umklammerten noch immer die Lehne des Sessels. Und als Mulder in sein Gesicht sah, war es von klebrigen Blut überströmt und es sah aus, als würde er Mulder aus seinen leeren, blutigen Augenhöhlen anstarren. "Ich bin zu spät", murmelte Mulder. Als er sich von dem ersten Schock wieder erholt hatte, betastete er David's Kopf. Er war starr und ließ sich so gut wie gar nicht bewegen, also musste er schon mindestens eine Stunde tot sein. Er schaute aus dem Fenster hinter dem Fernseher und schaute in die sternenklare Nacht. Wenn er Recht hatte, dann würden jetzt keine weiteren Tote mehr auftauchen. Sie haben ihre Arbeit erledigt, fürs erste. dachte Mulder und steckte seine Waffe wieder ein. Er ging wieder in den Flur, zog sein Handy aus der Tasche und wählte die Nummer der örtlichen Polizei... 33 21.05.97 1.09 Uhr Nachdem er die Polizei benachrichtigt hatte, verließ er David Houser's Haus, schloss aber aus Sicherheitsgründen wieder ab. Er hatte den Polizisten ja gesagt, dass er den Schlüssel unter den Blumentopf verstecken würde. Er setzte sich in den Mietwagen und machte erstmal nur die Tür zu. Er lehnte sich in den Sitz zurück und atmete tief aus. Dann schloss er die Augen und dachte noch mal über alles nach. Er legte seine Hände auf sein Gesicht und strich sich durch seine Haare, während er nochmals tief ein und ausatmete. Er schaute auf seine Uhr: 5.47 Uhr. Es würde sich nicht mehr lohnen, jetzt noch zum Hotel zurück zu fahren. Es würde sowieso noch mindestens eine Stunde dauern, bis er wieder in New Haven wäre. Mulder drehte den Zündschlüssel und fuhr los. Im Rückspiegel sah er noch die neugierige Frau von vorhin mit ein paar anderen Frauen an der Haustür stehen und hinter Mulder's Auto hergaffen. Wahrscheinlich macht aus mir einen geistesgestörten Einbrecher, der versuchen wollte, sie in meine Gewalt zu nehmen, um die Weltherrschaft an mich zu reißen. dachte Mulder, während die tratschenden Frauen sich immer weiter von ihm entfernten, bis er sie in der Dunkelheit nicht mehr erkennen konnte. Als er um 6.55 Uhr in New Haven angekommen war, hatte er sich entschlossen, wieder ins Krankenhaus zu fahren, um nach Scully zu sehen. "Halt! Wo wollen Sie hin, junger Mann?" fragte eine ältere Frau mit grauen Haaren und einer korpulenten Figur an der Rezeption, als Mulder gerade auf dem Weg zu Scully's Zimmer war. "Ich?" fragte er. "Na, wen soll ich denn sonst meinen? Außer Ihnen ist hier kein anderer Besucher auf dem Gang." Mulder ging zu der Frau hin und erklärte: "Ich möchte zu Mrs. Scully. Das letzte Mal konnte ich auch hier durch, ohne mich anzumelden. Die Frau musterte ihn mißtrauisch. "Sind Sie ein Familienangehöriger?" "Nein, ich..." "Wenn Sie kein Familienangehöriger sind, dann können Sie auch nicht rein", verbot die alte Frau und stemmte dabei die Arme in die fülligen Hüften. Mulder schaute ihr ernst in die Augen. "Nein, ich bin kein Familienangehöriger..." Die alte Frau wollte gerade etwas einwenden, aber Mulder kam ihr zuvor und zeigte seinen FBI-Ausweis vor. "Aber ich bin vom FBI und möchte sofort zu meiner Partnerin Agent Scully!" Die alte Frau hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund und machte große Augen. "Oh, entschuldigen Sie bitte. Ich wusste nicht..." Mulder steckte seinen Ausweis wieder ein und winkte ab. "Schon gut, schon gut. Ich möchte nur zu Mrs. Scully. Bitte." "Ja, ja. Natürlich. Gehen Sie nur.", nickte die Frau und setzte sich beschämt wieder hin. Mulder ging den erleuchteten Gang entlang. Ein paar Ärzte huschten von einem Zimmer zum anderen und die Schwestern trippelten hinterher. Als er das Zimmer erreicht hatte, drückte er leise die Türklinke herunter und schlich hinein. Er schloss die Tür wieder hinter sich und schaute dann auf das Krankenbett. Seine Augen weiteten sich, als er auf das Bett sah. Es war frisch gemacht und leer. "Oh nein. Das darf nicht wahr sein." Er stürmte wieder aus dem Zimmer und rannte den Gang entlang. Zufällig sah er Dr. Jennings in ein Zimmer gehen. "Dr. Jennings! Stop!!!" rief er. Dr. Jennings sah sich um und sah Mulder hinten im Gang zu ihm rennen. Er erkannte Mulder direkt wieder. "Dr. Jennings!" "Agent Mulder", entgegnete Dr. Jennings in dem typischen Unterton eines Arztes. "Was ist mit Agent Scully passiert?!" fragte er verzweifelt. "Dr. Jennings, kommen Sie bitte? Dr. McNellson braucht Sie", rief eine Schwester aus dem Krankenzimmer, vor dem sie standen. "Einen Moment, Schwester Mary", antwortete Dr. Jennings und wendete sich wieder Mulder zu. "Mrs. Scully, ach so." "Was ist mit ihr?" fragte Mulder ängstlich. "Sie ist heute Morgen..." Mulder's Knie wurden weich. "... in ein anderes Zimmer verlegt worden." Mulder blies die Luft scharf aus und griff sich an die verschwitzte Stirn. "Keine Angst, ihr geht es gut. Sie brauchte nicht länger auf der Intensivstation zu liegen." Mulder's Herz hämmerte immer noch. "Danke, Dr. Jennings." Der Arzt lächelte Mulder aufmunternd an. "Gehen Sie zu ihr, sie liegt in Zimmer Nr.. 928 im vierten Stock." Sofort begab sich Mulder zum nächsten Aufzug und fuhr in den vierten Stock. Er ging den Flur entlang, bis er an Zimmer Nr. 928 angekommen war. Er drückte die Klinke langsam herunter und betrat leise in das Zimmer. Scully stand im beigen Morgenmantel neben ihrem Krankenbett und hielt die Röntgenaufnahme ihres Schädels in der Hand. Mulder schloss die Tür leise hinter sich und ging auf Scully zu. Als er vor ihr stand, schaute Scully zu ihm auf. "Der Tumor ist einfach verschwunden", sagte sie mit zitternder Stimme. "Wie ist das passiert? Was ist mit mir passiert?" Mulder konnte ihr keine Antwort geben. "Ich weiß es nicht, Scully", sagte er sanft. Sie schaute wieder auf das Röntgenbild und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Ihre Mundwinkel verzogen sich und sie schluckte schwer. "Ich kann mich an nichts mehr erinnern", sagte sie verwirrt und schüttelte langsam den Kopf. Mulder nahm sie in den Arm und Scully legte ihre Arme verzweifelt um seinen Oberkörper. Als sie ihren Kopf auf seine Brust legte, füllten sich ihre Augen langsam mit Tränen. "Ich habe Angst, Mulder", flüsterte sie leise. Ihr rollte eine Träne über die noch leicht errötete Wange. "Angst vor der Wahrheit". Mulder schloss seine Augen und legte seinen Kopf sanft auf Scully's. "Diese Angst habe ich auch, Scully... Ich habe sie auch." 34 29.06.97 Washington D.C., FBI Hauptgebäude, 12.00 Uhr Scully ging den Gang entlang, der zu Mulder's "Büro" führte und öffnete die Tür, auf welcher ein Namensschild angebracht war: Fox Mulder. Sie schloss die Tür hinter sich und musste erstmal versuchen, über die ganzen Kartons zu steigen, um zu Mulder an seinen Schreibtisch zu gelangen. Mulder lehnte mit seinem Stuhl an der Wand und seine Füße waren auf dem Schreibtisch übereinandergeschlagen. Er hatte ein weißes Papierknäulchen in der Hand und zielte auf den Papierkorb, der an der Wand vor ihm stand und schon mehrere kleine Papierknäulchen neben ihm lagen. Er schnippte das Knäulchen mit dem Zeigefinger und es fiel zu den anderen vergeblichen Versuchen Michael Jordan nachzuahmen auf den Boden. "Knapp verfehlt", ärgerte Mulder sich und riss schon ein neues Stückchen von dem Blatt Papier ab und knüllte es zusammen. Scully hatte den Urwald von Papieren und Akten hinter sich gelassen und war beinahe schon stolz, es ohne zu stolpern geschafft zu haben. Als Scully sich gerade vor Mulder auf einen Stuhl setzen wollte, schoss auf einmal ein kleines weißes Etwas so knapp an ihrem Gesicht vorbei, dass sie den leichten Windhauch spüren konnte. "Getroffen!!!" rief Mulder, selber erstaunt darüber, dass er es tatsächlich geschafft hatte und fiel dabei beinahe nach hinten, konnte sich aber noch abfangen. Scully schaute amüsiert zu Mulder. "Bravo, Mulder. Sie können stolz auf sich sein. Es ist gar nicht einfach, ein Papierknäulchen in einen Papierkorb zu werfen." "Möchten Sie ein Autogramm?" witzelte Mulder schmunzelnd. Scully schmunzelte zurück und schaute dann auf die gelbe Akte, die auf ihrem Schoß lag. Sie räusperte sich. "Ich habe mit Skinner geredet. Er hat den Fall abgeschlossen. Die Ermittlungen werden eingestellt - aus Mangel an Beweisen." Sie tippte mit den Fingernägeln auf der Akte herum. Mulder nickte. Dies war nicht das erste Mal. "Eine weitere ungeklärte X-Akte." Scully bestätigte Mulder's Aussage mit einem leichten Kopfnicken. Ein paar Sekunden des Schweigens brach das Gespräch kurz ab. "Mulder, sagen Sie mir, was Sie über den Fall denken", fragte Scully plötzlich. Mulder schaute Scully's blaugrünen Augen und riss an dem Blatt Papier herum. "Vor 14 Jahren haben die Leute von Area 51 angeblich einen außerirdischen geborgen und an ihm Tests durchgeführt. Man hat nie herausgefunden, was wirklich dort passiert ist und jetzt wird man es auch nie herausfinden. Es waren nur wenige der Angestellten, die Zutritt zu diesem Raum hatten, in dem die Tests durchgeführt wurden. Sie haben sowas wie ein Schweigegelübde abgelegt, das beinhaltet, dass man nicht über diese Ereignisse sprechen darf. Manche Angestellten haben es aber dann doch getan und sind dafür von den Area 51 Agenten umgebracht worden. Die meisten sind tot, aber es haben auch ein paar überlebt. Jetzt sind diese Personen von dem "Licht" umgebracht worden und ich glaube, dass die Außerirdischen sich an diesen Personen rächen wollten, die Tests mit ihren Artgenossen durchgeführt haben. Und ich glaube, dass Sie entführt worden sind, weil Sie versehentlich von einer dieser Leichen angesteckt worden sind. Verstehen Sie? Sie wollten Ihnen nichts tun. Sie wollten Sie nur vor dem sicheren Tod bewahren. Sie haben doch jetzt keine Anfälle mehr, oder?" Scully rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her. "Aber was war mit den Ärzten, die mit den Leichen in Berührung gekommen sind, zusammengebrochen und kurz danach gestorben sind?" "Die Verstrahlung wirkt nur bei denen, die bei dem Area 51 Fall dabei waren. Bei Ihnen war das nur ein Versehen. Ich habe mich bei zuverlässigen Quellen erkundigt. Der Arzt, der die Leichen von Calvin's Frau und ihren zwei Freunden untersucht hat, war auch an dem Area 51 Fall beteiligt. Der Name wurde nur nie benannt, da er einer der Personen war, die den Außerirdischen seziert haben. Der Gerichtsmediziner, der die Leiche von Gary Brown obduziert hat..." Jetzt sagen Sie nicht, der war auch bei dem Fall beteiligt", sagte Scully zweifelnd. "Nein. Er hatte vorher schon einen inoperablen Gehirntumor, der nur von den Ärzten übersehen wurde. Das haben mir die Ärzte selber gesagt." "Und was ist mit den Opfern, auf die uns Calvin aufmerksam gemacht hatte? An der Rezeption hatte man uns doch gesagt, der Krankenwagen sei noch nicht angekommen", fragte Scully und schlug dabei die Beine übereinander. Mulder zuckte mit den Schultern. "Die sind nicht mehr aufgetaucht. Die Fahrer konnten sich an nichts mehr erinnern. Aber seitdem David Houser tot ist, sind keine weiteren Todesfälle mehr aufgetaucht." "Hm... Aber wenn, wie Sie es sagen, die Außerirdischen mich nur entführt haben, damit sie mich von der Verstrahlung wieder heilen, ... warum...ist dann mein Krebs verschwunden?" "Ich weiß es nicht, Scully. Ich weiß es nicht." Scully kratzte an der Akte herum und Mulder riss noch ein Stückchen von dem Blatt Papier ab. "Scully... Sagen Sie, wie haben Sie es eigentlich geschafft, in meinen Träumen mit mir zu sprechen?" Scully schaute Mulder stirnrunzelnd an. "Was habe ich getan?" "Ach, vergessen Sie es. Ist schon gut", sagte Mulder und warf noch ein Papierknäulchen in Richtung Papierkorb. "Daneben." 35 unbekannter Ort, 12.45 Uhr Der Mann im Dunkeln nahm noch einen Zug von seiner Zigarette und stieß den Qualm mit einem Schwall wieder aus. "Was ist mit dem Priester?" "Der ist jetzt nur noch ein Staubhäufchen irgendwo in der Müllverbrennungsanlage", sagte ein junger Mann mit einer piepsigen Stimme. "Und die Leichen sind sicher weggeräumt?" "Alle spurenfrei entsorgt. Und es gibt keine Zeugen." Der junge Mann kniff die Augen zu einem Spalt zusammen, versuchte vergebens das Gesicht des rauchenden Mannes zu erkennen, aber er stand so weit in der Ecke, dass man nur den glühenden Punkt seiner Zigarette erkennen konnte, der sich immer hin und her bewegte. Aber seiner Stimme nach zu beurteilen, war er schon etwas älter, das konnte er feststellen. "Sehr gut. Und du hast selbstverständlich kein Wort über unser kleines Geheimnis verloren, oder?" Der Mann nahm noch einen Zug von seiner Zigarette, dass der kleine glühende Punkt für ein paar Sekunden hell aufleuchtete. Der junge Mann konnte hören, wie er den Rauch wieder ausatmete und schmeckte das Nikotin auf seiner Zunge. Er musste husten, als er etwas Rauch abbekam. "Nein, nein! Auf keinen Fall. Ich habe kein Sterbenswörtchen gesagt. Sie können mir doch vertrauen, das wissen Sie doch", röchelte der junge Mann. "Ja", stimmte ihm der Mann zu. "Auf dich konnte man sich wirklich verlassen." Der junge Mann wurde langsam nervös, seine Hände wurden feucht und er fühlte, wie vor Angst seine Ohren ganz heiß wurden. "Sie... Sie meinen wohl kann!?" sagte der junge Mann mit zitternder Stimme. "Nein, Jimmy." Der Mann im Dunkeln nahm noch mal einen tiefen Zug von seiner Zigarette, behielt den Rauch ein paar Sekunden in seiner Lunge und blies ihn dann so stark aus, dass man sogar im Dunkeln den Qualm noch etwas sehen konnte. "Ich meine konnte." Jimmy wollte gerade fragen, warum er konnte meinte, da hörte er schon einen dumpfen Schuss und seine Gedanken verloren sich durch die Kugel, die von hinten in seinen Kopf eindrang. Er sackte leblos zu Boden. Der Zigaretten rauchende Mann trat ein paar Schritte vor und sah die Leiche von Jimmy auf dem Boden liegen. Er nahm einen letzten Zug von seiner Zigarette und warf dann den glühenden Stummel auf den leblosen Körper. "Aber Jimmy. Liebeskummer ist doch kein Grund sich selber um zu bringen... Schaff' ihn hier weg." Ein muskulöser Mann nahm die Leiche des jungen Mannes und brachte sie an einen unbekannten Ort. Der Cigarette-Smoking-Man ging in ein paar Räume weiter in einen kleinen Saal zu der seriösen Runde von vielen Männern mit schwarzen eleganten Anzügen. Als er sich gesetzt hatte, fragte einer der Männer: "Ist alles geregelt?" Der Raucher schaute nicht zu dem Mann, der ihm die Frage gestellt hatte und bestätigte die Frage nur mit einem knappen Kopfnicken. Ein fülliger, älterer Mann mit einer grimmigen Miene und einem Gesicht, dass seinem Alter schon etwas voraus war, setzte seine Tasse wieder auf den Untersetzer und fragte nach einer kleinen Pause: "Und was ist mit Mulder?" Der Cigarette-Smoking-Man lächelte geheimnisvoll. "Mulder..." der Qualm seiner Zigarette, den er langsam wieder aus seinem Mund blies, umhüllte sein kaum erkennbares Gesicht. "Er wird weiter glauben. Wie immer." the end BlackOceanDeep@yahoo.de Leiche des jungen Mannes und brachte sie an einen unbekannten Ort. Der Cigarette-Smoking-Man ging in ein paar Räume weiter in einen kleinen Saal zu der seriösen Runde von vielen Männern mit schwarzen eleganten Anzügen. Als er sich gesetzt hatte, fragte einer der Männer: "Ist alles geregelt?" Der Raucher schaute nicht zu dem Mann, der ihm die Frage gestellt hatte und bestätigte die Frage nur mit einem knappen Kopfnicken. Ein fülliger, älterer Mann mit einer grimmigen Miene und einem Gesicht, dass seinem Alter schon etwas voraus war, setzte seine Tasse wieder auf den Untersetzer und fragte nach einer kleinen Pause: "Und was ist mit Mulder?" Der Cigarette-Smoking-Man lächelte geheimnisvoll. "Mulder..." der Qualm seiner Zigarette, den er langsam wieder aus seinem Mund blies, umhüllte sein kaum erkennbares Gesicht. "Er wird weiter glauben. Wie immer." the end BlackOceanDeep@yahoo.de